Johann  Georg  l.  299

ses  großen  Sieges  —  zu  welchem  der  von  Eilenburg  eilig
zurückkehrende  Churfürst  dem  schwedischen  Konige  seinen  freudigen
  Glückwunsch  abzustatten  nicht  ermangelte,  welcher  ihm
lächelnd  dankte,  daß  er  ihm  zu  einer  Hauptschlacht  gerathen—
war  die  Wiedereroberung  Leipzigs,  welche  Johann  Georg
mit  leichter  Mühe  bewerkstelligte,  und  die  Befreiung  Merseburgs.
  Allein  unendlich  bedeutender  waren  die  geistigen  Folgen
  dieses  Sieges.  Durch  des  Kaisers  anfängliches  Glück,
namentlich  durch  die  von  ihm  gewonnene  Schlacht  am  weißen
  Berge,  war  die  Sache  der  Protestanten  beinahe  so  gut
wie  aufgegeben,  sie  selbst  begannen  an  ihrem  Schecksale  zu
verzweifeln  und  die  Katholiken  sahen  mit  triumphirenden
Blicken  schon  die  nahe  gänzliche  Verbreitung  des  Reactionsedicts.
  Die  Halbheit  in  den  Maßregeln  der  Protestanten
und  die  Zersplitterung  derselben  unter  sich,  ließ  noch  die
letzten  Hoffnungen  untergehen  und  so  durfte  der  Kaiser,  ohne
den  Vorwurf  unzeitiger  Erwartungen  auf  sich  zu  laden,
sich  schmeicheln,  der  geistigen  und  politischen  Freiheit  Deutschlands
  des  Ehesten  den  Todcsstoß  versetzen  zu  konnen.  Der
Breitenfelder  Sieg  gab  der  Sache  mit  einem  Male  ein  anderes
  Ansehen.  Der  Nimbus  der  Unüberwindlichkeit  fiel
von  des  Kaisers  Haupte,  nachdem  sein  gefürchteter  Feldherr
Tilly  in  einer  einzigen  Schlacht  alle  Früchte  seines  frühern
Ruhmes  eingebüßt  hatte,  und  das  mittlere  Deutschland  stand
plotzlich  dem  schwedischen  Heldenkönig  offen.  Ja  der  Kaiser
  selbst  waͤre  in  Wien  nicht  sicher  gewesen,  wäre  Gustav
Adolf,  statt  nach  den  Main=  und  Rheingegenden  sich  zu
wenden,  durch  Böhmen  hin  nach  der  österreichischen  Hauptstadt
  aufgebrochen.  Die  Protestanten,  welche  sich  schon
aufgegeben  hatten,  schdpften  wieder  Vertrauen  zu  ihren  Kräften
  und  zu  ihrer  Sache,  und  selbst  Johann  Georg  bekam
Muth.  Die  Sachsen  drangen  unter  Aruheim  in  Böhmen
ein,  welches  ihnen  jetzt  so  gut  wie  keinen  Widerstand  leisten
konnte,  nahmen  ohne  viele  Mühe  mehrere  bedeutende  Plätze
und  endlich  selbst  Prag.  Doch  verläugnete  sich  des  Churfürsten
  geheime  Anhänglichkeit  an  den  Kaiser  selbst  in  dieser
endlichen  Stellung  nicht,  er  ließ  gegen  die  kaiserlichen