Johann  Georg  I.  301

zur  Aussöhnung  mit  dem  Kaiser  offen  zu  kassen.  Doch  kam
er  mit  seinen  Entschlüssen  nicht  so  schnell  in's  Reine  und
sehte  daher,  wiewohl  nachlässiger,  die  Bundesgenossenschaft
mit  den  Schweden  leidlich  genug  fort.  Aus  Böhmen  verdrängt,
  zogen  sich  die  Sachsen  nach  der  Oberlausitz  und  von
da  nach  Schlesien,  wo  sie  nicht  unbedeutende  Vortheile  errangen
  und  sich  in  mehreren  Plätzen  festsetzten.  Dies  bewog
Wallenstein,  welcher  in  der  Nähe  von  Nürnberg  ein  Lager
bezogen  hatte  und  darin  vergebens  von  Gustav  Adolf  angegriffen
  worden  war,  seine  Stellung  aufzugeben  und  seinen
Generalen,  Holke  und  Gallas,  zu  folgen,  welche  er  bereits
nach  den  sochsischen  Landen  vorangeschickt  hatle,  wo  dieselben
  unter  grausamen  Verwüstungen  Herren  mehrerer  Plätze
geworden  waren.  Johann  Georg,  welcher  Leipzig  abermals
in  der  Gewalt  der  Kaiserlichen  sah,  beschwor  den  König  von
Schweden,  den  er  in  jeder  Verlegenheit  gut  zu  finden  wußte,
flehendlich,  von  seinem  vorhabenden  Zuge  nach  Baiern  und
Oesterreich  abzustehen  und  schleunig  nach  Sachsen  zurückzueilen,
  um  ihn  und  sein  Land  der  drohenden  Gefahr  zu  entreißen.
  Die  Nähe  von  Leipzig,  welche  schon  einmal  dem
Glaubenskampfe  verhängnißvoll  geworden  war,  sollte  wiederum
  die  blutige  Entscheidung  einer  großen  Frage  der  Menschheit
  sehen.  Gustav  Adolf  hatte  sich  bei  Naumburg  gclagert,
und  Wallenstein,  in  der  Meinung  daß  sein  Gegner  den
Winter  dort  zubringen  wollte,  entließ  bereits  den  General
Pappenheim  von  sich  und  sendete  ihn  mit  ciner  Truppenabtheilung
  über  Halle  nach  dem  Rheine  hin.  Kaum  aber  war
diese  Trennung  geschehen,  so  folgte  Gustav  Adolf  dem  Wallenstein
  gegen  Leipzig  hin  und  Wallenstein  mußte  schleunig
Pappenheim  zurückberufen.  Bei  Lützen  kam  es  am  6.  November
  zu  der  ewig  denkwürdigen  Schlacht,  in  welcher  der
große  Vorkaämpfer  der  protestantischen  Freiheit,  Gustav  Adolf,
sein  Leben  ließ  und  sterbend  die  heilige  Sache  besiegelte,
welche  er  im  Leben  so  heldenmüthig  verfochten  hatte.  Verbrüdert
  durch  den  allversdhnenden  Tod  folgte  ihm  sein  ungestümer
  Feind  Pappenheim  in's  Grab,  der  bei  Lützen,  ebenfalls
  tödlich  verwundet,  bald  darauf  zu  Leipzig  starb.  Die

1632