W2  Johann  Georg  I.

fallenden  Sügel  der  noch  unentschiedenen  Schlacht  ergriff,  bei  Gustav
  Adolf's  Falle,  der  kühne  Herzog  Bernhard  von  Weimar,
dessen  jugendliches  Heldengestirn  gleichsam  aus  dem  Blute
Gustav  Adolf's  aufzutauchen  und  den  entfliehenden  Heldengeist
  des  großen  Schwedenkönigs  noch  erfaßt  zu  haben  schien,
um  ihn  in  seine  eigne  Brust  aufzunehmen.  Er  behauptete
siegreich  das  Schlachtfeld,  und  Wallenstein  zog  sich  ziemlich
eilig  nach  Böhmen  zurück.  Ob  Gustav  Adolf,  durch  die
Schwäche  seiner  Augen  und  den  Staub  des  Schlachtfeldes
geblendet  und  einem  feindlichen  Haufen  zu  nahe  geführt,
durch  die  Kugeln  der  Kaiserlichen  oder  eines  verratherischen
Freundes,  des  Herzogs  Franz  Albrecht  von  Lauenburg,  fiel,
ist  noch  unerwiesen.  Mit  seiner  Leiche  wurden  auch  seine
weiteren  Plane  begraben,  die  vielleicht  keinem  kleinern  Ziele,
als  dem  deutschen  Kaiserthrone  zuslogen.  Der  Tod  zog
einen  Schleier  über  diese  Nebenabsichten  Gustav  Adolfs  und
rettete  ihm  den  Ruhm  des  Befreiers  von  Deutschland,  der
vielleicht  durch  ein  längeres  Leben  und  durch  fortgesetztes
Kriegsglück  verloren  gegangen  wäre.  So  war  es  der  tedtenden
  Kugel  vorbehalten,  das  herrliche  Bild  des  rettenden,
siegenden  Königs  vor  entstellenden  Flecken  zu  bewahren  und
sein  Andenken  für  ewige  Zeiten  zu  heilsgen.

Johann  Georg  trug  den  Dank,  welchen  er  dem  gefallenen
  Könige  schuldete,  nicht  eben  auf  dessen  Volk  über.  Er
hatte  schon  nicht  ohne  Eifersucht  zugesehen,  daß  Gustav  Adolf
sich  das  Directorium  unter  den  Evangelischen  anmaßte,  obschon
  er,  bei  nur  einiger  Gerechtigkeit,  zugeben  mußte,  daß  Letzteres
  keinen  bessern  Händen  anheimfallen  könne.  Nach  des  Königs
  Tode  aber  meinte  Johann  Georg  um  so  gewisser,  dieses  früher
ihm  zustehende  Directorium  wieder  zu  erhalten  und  fand  sich
um  so  unangenehmer  in  seinen  Erwartungen  getäuscht,  da
der  schwedische  Reichskanzler  Arel  Oxenstierna,  welcher,  neben
  der  Vormundschaft  über  Gustav  Adolf's  minderjährige
Tochter  und  Nachfolgerin  Christina,  auch  die  Angelegenheiten
  in  Deutschland  leitete,  auf  einer  Versammlung  zu  Heilbronn
  (April  1633)  die  vier  Kreise,  Franken,  Schwaben,
1633  Ober=  und  Niederrhein,  zu  einem  Bündnisse  mit  Schweden