Johann  Georg  1.  303

zu  vermoͤgen  wußte,  uͤber  welches  ihm  das  Directorium,  obgleich
  mit  Zuordnung  eines  Concilii  sormati,  zuerkannt  wurde.
Diese  Zuruͤcksetzungen,  die  freilich  dem  Churfuͤrsten  nicht  mit
Unrecht  empfindlich  seyn  mußten,  erkaͤlteten  ihn  immer  mehr
fuͤr  die  allgemeine  Sache,  und  er  begann,  bei  seiner  ohnedies
  dem  Helden  so  sehr  entsremdeten  Natur,  bereits  mit
vieler  Vorliebe  dem  Gedanken  an  Frieden  Raum  zu  gönnen.
Von  österreichischer  Seite  unterließ  man  nicht,  in  diese  Bresche
  der  Johann  Georg'schen  Standhaftigkeit  mit  allen  Mitteln
  der  List  und  Verführung  einzudringen,  und  der  König
von  Dänemark  suchte,  neidisch  auf  Schwedens  Glück  und
Macht,  ebenfalls  den  wankenden  Churfürsten  zu  einem  voͤlli—
gen  Abfalle  von  Schweden  zu  bewegen.  Dahin  kam  es
freilich  vor  der  Hand  noch  nicht;  doch  neigte  sich  Johann
Georg,  trotz  Oxenstierna's  freundlichen  Erbietungen,  immer
mehr  dem  Friedensentschlusse  zu,  und  durch  dänische  Vermittelung
  wurde  bereits  die  Stadt  Breslau  zum  Orte  des
Congresses  bestimmt.  Doch  zerschlugen  sich  diese  Verhandlungen,
  und  Wallenstein,  dem  damals  ein  Frieden  zwischen
Sachsen  und  dem  Kaiser  noch  nicht  in  seine  Plane  passen
mochte,  erneuerte  die  Feindseligkeiten,  indem  er  im  August
1633  das  Voigtland  und  das  Erzgebirge  verwüstete.  Auch
die  im  folgenden  Jahre  zu  Leitmeritz  begonnenen  Unterhand=  1631
lungen  hatten  keinen  Erfolg;  doch  trat  die  Eisersucht  Sachsens
  gegen  Schweden  immer  unverdeckter  an's  Licht  und  es
ging  bereits  so  weit,  daß  die  Sachsen  unter  Arnheim  die  Schweden
  aus  dem  von  ihnen  besetzten  Glogau  mit  Waffengewalt
hinauêtrieben.  Die  Niederlage,  welche  die  Schweden  unter
Bernhard  von  Weimar  bei  Nordlingen  (November  1634)
erlitten,  brachte  endlich  den  schwankenden  Churfürsten  zu  dem
ernsthaften  Entschlusse  des  Friedens.  Der  Churfürst  hatte
keine  Lust,  der  Bundesgenosse  eines  einmal  Geschlagenen  zu
bleiben,  der,  bisher  beinahe  stets  Sieger,  ihn  und  sein  Land
zweimal  vom  sichtlichen  Verderben  errettet  hatte.  Man
nahm  daher  im  November  1634  in  Pirna  die  zu  Leitmerit
abgebrochenen  Friedensunterhandlungen  wieder  auf,  und  am
30.  Mai  des  folgenden  Jahres  kam  zwischen  dem  Kaiser  1635