306  Johann  Georg  I.

nommen  und  der  Härte  des  Kaisers,  der  Rache  seiner  Jesuiten
  überliefert  wurden,  daß  der  Friede  nur  die  Augöburgischen
  Confessionsbekenner,  nicht  aber  die  verwandten  protestantischen
  Parteien,  wie  z.  B.  die  Reformirten,  in  sich  schloß,
mithin  Letztere  feigsinnig  aufopferte,  daß  die  eingezogenen
geistlichen  Güter  nach  vierzig  Jahren  an  die  Katholiken  zurückfallen
  sollten,  mithin  nur  eine  halbe  Maßregel  ergriffen  und
ein  halber  Vortheil  errungen  worden.  Und  daß  der  Churfürst
von  Sachsen,  den  allerdings  weder  seine  Talente,  noch  selne
Gesinnungen  det  evangelischen  Partei  würdig  machten,
bei  diesen  Verhandlungen  gleichwohl  ein  unumschränktes  Directorium
  über  die  evangelischen  Angelegenheiten  willkührlich
sich  angemaßt,  erregte,  wie  überhaupt  der  ganze  Friedensschluß
  und  Johann  Georg's  Benehmen  hierbei,  eine  Mißbllligung,
  die  sich  sogar  in  beißenden  Schriften  gegen  Letzteren
Luft  machte.  Doch  er,  der  nur  in  fixen  Ideen  lebte  und
das  Nahe  bald  für  fern,  bald  das  Ferne  für  nahe  ansah,
war  über  die  vermeintlichen  Vortheile  dieses  Friedens  so
hocherfreut,  daß  ihn  derlei  üble  Bemetkungen  gar  nicht  in
seinem  Freudentaumel  stören  konnten.  Spaßhaft,  obgleich
natürlich  war  es,  daß  er  auch  Andere  seiner  fixen  Ideen
theilhaft  glaubte  und  sich  sehr  wunderte,  daß  die  Schweden,
denen  er  hoffnungsvoll  den  Antrag  machte,  diesem  Frieden
beizutreten  und  ihnen  sogar  aus  Reichsmitteln  eine  starke
Summe  Geldes  anbot,  wenn  sie  Deutschland  räumen  wollten,
  statt  erfreut  diesen  Vorschlägen  Gehèr  zu  geben,  sich
mit  Erbitterung  dagegen  strdubten.  Besser,  als  bei  ihnen,
wenn  auch  nur  allmählig,  drang  der  Churfürst  bei  der  Mehrzahl
  der  deutschen  Stände  durch.  Sie  Alle  hatten  in  dem
Kriege  mehr  oder  weniger  gelitten,  ihre  Länder  waren  erschoͤpft
  und  so  mußten  sie,  nach  dem  Abfalle  eines  so  mächtigen
  Bundesgenossen,  wie  des  Churfürsten  von  Sachsen,  ebenfalls
  endlich  den  Friedensvorstellungen,  welche  ihnen  Letterer
mit  vielem  Eifer  machte,  Gehdr  geben.  Daher  traten,  halb
freiwillig,  halb  nothgedrungen,  der  Herzog  Wilhelm  von
Sachsen-Weimar,  wie  auch  seine  beiden  Brüder  Albrecht  und
Ernst,  die  Herzöge  von  Braunschweig,  Meklenburg  und  Pom-