308  Johann  Georg  I.

chischen  General  Hatzfeld  zu  vereinigen  und  nach  dreiwdchentlicher
  Belagerung  sich  (3.  Juli  1636)  Magdeburg's  zu
bemeistern;  aber  am  24.  September  wurde  das  vereinigte
kaiserliche  und  sächsische  Heer  bei  Wittstock  von  Banner
schwer  geschlagen,  wozu  die  heimliche  Anhänglichkeit  mehrerer
  sächsischen  Offiziere  an  Schweden  beigetragen  haben
mag.  Das  kaiserlich=  sächsische  Heer  verlor  vier  bis  fünftausend
  Mann,  Viele  fanden  noch  auf  der  Flucht  den  Tod.
Johann  Georg  mußte  sich  eilig  nach  Meißen  zurückziehen.
Hatzfeld  drängte  sich  nach  Hessen  hinein.  Banner  goͤnnte
ihm  jedoch  dort  nicht  lange  Zeit,  sondern  verjagte  die  Kalserlichen
  aus  dem,  den  Schweden  treu  gebliebenen  Hessen,  eroberte
  Erfurt,  schlug  bei  Eulenburg  die  Sachsen,  befeßte
Torgau  und  wirthschaftete  fürchterlicher,  als  je,  in  Sachsen.
Die  gräßlichsten,  erfindungsreichsten  Martern  wurden  von  den
wüthenden  Schweden  an  den  unglücklichen  Einwohnern  verübt,
  welche  die  Qualen  der  Inquisitionsgewölbe  und  Folterkammern
  noch  hinter  sich  zurückließen.  Der  berüchtigte
Schwedentrank  —  d.  i.  Mistjauche  welche  man  den  Menschen
  gewaltsam  einfüllte,  denen  man,  wenn  sie  sich  übervoll
  getrunken,  auf  den  Leib  sprang  —  wird  noch  jetzt
mit  Entsetzen  genannt.  Leider  zeigten  sich  die  kaiserlichen
Truppen  eben  so  erfinderisch,  oder  sie  hatten  es  wenigstens
den  Schweden  schnell  abgelernt.  Solche  Segnungen  hatte
Johann  Georg's  Politik  über  sein  Land  gebracht!  Wurzen,
Strehla,  Belgern,  Schilda,  Schmiedeberg,  Liebenwerda,  Leißnig
und  Colditz  wurden  durch  Banner's  Soldaten  niedergebrannt.

Der  ganze  Krieg  hatte,  seit  Gustav  Adolf's  Tode,  einen
andern  Charakter  angenommen  und,  statt  seiner  frühern  bestimmteren
  Tendenz,  sich  in  kleinere  Massen  zerstückelt.  Er
erinnerte  lebhaft  an  den  Burgenkrieg  des  Mittelalters;  aus
dem  Staatenkampfe  war  ein  Soldatenkrieg  geworden,  welcher
  sich,  ohne  ein  festes  politisches  Ziel  im  Auge,  dahin
wendete,  wo  es  Unterhalt  und  Beute  zu  hoffen  gab,  und
die  traurige  Folge  dieser  Verwandlung  war,  daß  sich  der
Krieg  nunmehr  weniger  gegen  die  Heere,  als  gegen  die  friedlichen
  Einwohner  und  deren  Eigenthum  richtete.  Die  Feld-