Johann  Georg  I.  309

herren,  von  ihren  Herrschern  darauf  angewiesen,  und  aus
Mangel  besserer  Unterstuͤtzung,  verwandelten  sich  in  Hordenführer
  und  Naubritter,  dic  Soldaten  in  Freibeuter  und  Banditen.
  Es  war  eine  dästere  Erde,  welche  am  15.  Februar
1637  der  katholische  Kaiser  Ferdinand  II.  verließ,  er  selbst
hatte  sie  reichlich  mit  Blute  überstrdmen  helfen  und  gern
konnte,  im  Vertrauen  auf  den  nahen  Himmel,  auf  welchen
er,  nach  der  Versicherung  seiner  Geistlichen  und  Fesuiten,  durch
seinen  Ketzerhaß  den  besten  Anspruch  hatte,  der  Kaiser  aus  dieser
finstern  Welt  scheiden.  Die  freilich  nicht  grundlose  Erbitterung
  der  Protestanten  hat  Ferdinand's  II.  Andenken  wohl  noch
mehr  in's  Dunkle,  Grelle  herabgezogen,  als  sein  wirklicher
Charakter  als  Mensch  es  eigentlich  verdient  haben  mag.
Unter  Vorurtheilen,  die  man  ihm  frühzeitig  eingeimpft,  erzogen,
  von  Jesuitismus  und  katholischer  Schwärmerei  umgeben,
  erschien  ihm  Alles  was  er  that,  in  einem  andern  Lichte,
als  der  Welt,  und  der  Sklave  eines  mit  seinem  Throne  verwachsenen
  Systems,  dessen  Schwächen  zu  durchschauen  er
nicht  die  Einsicht  und  welches  zu  verldugnen  er  weder  den
Muth  noch  die  Kraft  und  den  Geist  besaß,  wurde  er  zu  einem
  Verfahren  veranlaßt,  dessen  Härte  man  ihm  eben  als
Verdienst,  dessen  abstoßende  Strenge  man  ihm  als  Tugendsinn
  zu  schildern  wußte.  Daß  Ferdinand,  selbst  bei  seinem
Fanatiömus,  bei  seinen  Beschränktheiten,  nicht  ohne  Vorzüge
des  Geistes  und  Herzens  war,  muß  man  selbst  als  sein  Gegner
zugestehen,  und  schon  die  Festigkeit,  womit  er,  zum  Theil  unter
  Hoffnungêleeren  Aussichten,  und  mit  beispiellosen  Hindernissen,
  seine  Ueberzeugung  durch  die  That  besiegelte  undnicht
einen  Augenblick  sinken  ließ,  erweckt  Achtung  für  seinen  Charakter,
  obgleich  Mißbilligung  gegen  seine  Ansichten,  die  von
fremdem  Einflusse  ausgingen,  während  jener  unveräußerlich  ihm
selbst  angehdrte.  Er  hatte  die  rdmische  Kdnigswahl  seines
Sohnes  noch  zu  rechter  Zeit  bewirkt,  und  dieser  folgte  ihm,
als  Ferdinand  III.  auf  dem  Kaiserthrone.

Dem  Anfang  der  Regierung  des  neuen  Kaisers  lächelten
einige  Glücksblicke.  Der  Feldmarschall  Banner,  welcher
Leipzig  belagert  hatte  und  diese  Gegend  rdumen  mußte,
wäre  bei  Torgau  beinahe  von  den  kaiserlichen  Truppen,  de-