1641

310  Johann  Georg  I.

ren  Hauptmasse  auf  ihn  losging,  völlig  eingeschlossen  worden.
  Hartbedrängt  suchte  er  freie  Bahn  nach  Pommern
hinein  zu  gewinnen,  doch  der  Uebergang  über  die  Oder  wäre
ihm  von  dem  nachdringenden  Feinde  beinahe  übel  verleidet
  worden,  wenn  nicht  seine  List  und  Kühnheit  Letztere  irregeführt
  und  ihn  selbst  glücklich  nach  Pommern  hineingebracht
  hätte.  Das  schwererschbpfte  Sachsen  blicb  nach  dem
Abzuge  des  gefürchteten  Helden  eine  Weile  von  ihm  befreit
und  konnte  nach  den  entsetzlichen  Drangsalen,  welche  es  erlitten,
  wenigstens  einen  kurzen  Athem  schöpfen.  Swar  sah
ihn  in  den  folgenden  Jahren  das  geängstigte  Sachsen  wiederum
  innerhalb  seiner  Gränzen,  und  die  Leiden,  welche  der
harte  Krieger  ihm  schon  früher  bereitet,  wiederholten  sich
dem  armen  Lande.  Doch  sollte  es  von  ihm  bald  einen
ewigen  Frieden  bekommen,  denn  der  kühne  Banner  starb  im
Jahre  1641  zu  Halberstadt,  und  an  seine  Stelle  trat  Torstenson,
  ein  Mann,  der  mit  einem  schwüchlichen,  leidenden
Körper  überraschende  Geisteskraft,  Entschlossenheit  und  Umsicht
  vereinigte.  Uunter  ihm  ward  Sachsen  abermals  der

1612  Schauplatz  des  Krieges,  und  in  Gemeinschaft  mit  dem  General

  Königsmark,  belagerte  er  Leipzlg.  Die  kaiserliche  Armee
  rückte  unter  dem  Exzherzog  Leopold  Wilhelm  und  dem
Generale  Piccolomink  zum  Entsatze  heran,  und  auf  dem
verhängnißvollen  Schlachtfelde  von  Breitenfeld,  wo  vor  eilf
Jahren  der  alte  Kriegsmann  Tilly  seinen  Ruhm  durch  den
jugendlichen  Helden  von  Schweden  verlor,  ward  noch  einmal
  die  Schlacht  zwischen  Schweden  und  Kaiserlichen  geschlagen.
  Die  Letteren  hatten  sich  auf  diesem,  ihnen  feindseligen
  Boden  kein  Glück  zu  versprechen,  sie  erlitten  auch
diesmal  eine  blutige  Niederlage  und  mußten  sich  nach  Böhmen
  zurückziehen.  Leipzig  konnte  sich  nun  nicht  mehr  halten,
  es  capitulirte  und  ergab  sich  den  Schweden,  welche,
gegen  bedeutende  Zahlungen,  es  mit  der  Plünderung  verschonten.
  Diese  wichtige  Festungsstadt  blieb  auch  noch  über
den  Westphälischen  Frieden  hinaus,  bis  zum  Juli  1650,  mithin
  gegen  acht  Jahre,  in  den  Händen  der  Schweden.  Hartnäckig
  wehrte  sich  Freiberg,  dessen  Belagerung  die  Schweden
aufzugeben  gendthigt  wurden,  da  Piccolomini  zum  Entsatze