Johann  Georg  I.  311

herbeieilte.  Die  unaussprechlichen  Leiden  welche  dieser  furchtbare
  Krieg,  namentlich  durch  Johann  Georg's  Bruch  mit  den
Schweden,  uͤber  Sachsen  gebracht  hatte,  nahmen  dadurch
erst  ihr  spaͤtes  Ende,  daß,  besonders  durch  Veranlassung  der
Söhne  des  Churfürsten,  dem  schwankenden  Johann  Georg,
der  mehr  hartnöckig,  als  standhaft,  die  Partei  des  Kaisers
festhielt,  und  erst  durch  die  entscheidendsten  Unglücksfälle  auf
andere  Gedanken  gebracht  werden  konnte,  ein  Waffenstillstand
  mit  den  Schweden  abgenöthigt  wurde,  der  am  27.
August  1645  zu  Kötzschenbrode  bei  Dresden  zu  Stande  kam,  1645
anfangs  zwar  nur  auf  sechs  Monate  lautete,  dann  aber  allmählig
  bis  zum  Westphälischen  Hauptfrieden  verlängert
wurde.  Die  Bedingungen  dieses  Stillstandes  waren  freilich
nicht  niedrig,  doch  war  die  Ruhe  und  Sicherheit,  welche  dadurch
dem  verarmten  und  erschopften  Lande  wiedergegeben  ward,
damit  nicht  zu  theuer  erkauft.  Der  Churfürst  durfte  zufolge
dieses  Vertrages,  dem  Kaiser  nichts,  als  das  übliche  Reichscontingent
  stellen,  mußte  ihm  jede  in  Sachsen  vorzunehmende
Werbung  versagen,  den  Schweden  freien  und  friedlichen
Durchzug  durch  sein  Land  gestatten,  jedoch  so,  daß  sie  sich
der  Residenz  immer  nur  auf  drei  Meilen  nähern  durften,  und
ihnen  monatlich  11,000  Thaler  —  in  der  spatern  Verlängerung
  des  Waffenstillstandes  ward  diese  Summe  auf  8000
Thaler  ermäßigt  —  nebst  einem  bestimmten  Quantum  an
Lebenomitteln  liefern.  Dagegen  mußten  die  Schweden  die
von  ihnen  besetzten  sächsischen  Plätze,  mit  Ausnahme  Leipzigs
  herausgeben.  Der  Elbpaß  bei  Torgau  sollte  den
Schweden  und  den  Sachsen  zu  gemeinschaftlicher  Besetzung
überlassen  bleiben.  Der  Churfürst  hatte  den  Frieden  näher
geglaubt,  als  er  wirklich  war,  und  sich  dadurch  um  so  eher
bewogen  gefunden,  die  schweren  Bedingungen  des  Waffenstillstandes
  einzugehen.  Aber  trotz  der  langwierigen  Unruhen,
  nahmen  sich  die  kriegführenden  Mächte  mit  den  Friedensunterhandlungen
  Zeit,  da  sie  immer  noch  irgend  einen
bedeutenden  Coup  ausführen  und  dadurch  sich  glänzendere
Bedingungen  erzwingen  zu  können  glaubten.  Erst  im  April
1646  beschickte  Johann  Georg  den  schon  seit  Jahresfrist  er-  1646