Johann.  Georg  I.  313

trag  entrichtet  war.  Das  Dircctorium  der  evangelischen
Angelegenheiten  in  Deutschland,  welches  bisher  die  Krone
Schweden  behauptet,  auf  dem  Congresse  zu  Osnabrück  aber
der  Herzog  von  Sachsen-Altenburg  sich  angemaßt  hatte,
mußte  —  da,  in  Gemäßheit  des  Westphälischen  Friedens,
Alles  wieder  in  den  vorigen  Stand  versetzt  werden  sollte  —
Chursachsen  auf's  Neue  zugestanden  werden.  Der  Churfürst
aber  weigerte  sich  —  angeblich,  weil  er  dadurch  neue  Factionen
  unter  den  deutschen  Reichsständen  herbeizuführen  fürchte
—  es  anzunehmen,  und  wunschte  dieses  Directorium  gänzlich
  eingestellt  zu  wissen.  Doch  dies  war  nicht  die  Ansicht
der  Stande;  vielmehr  war  man  schon  auf  dem  Wege,  dieses
Directorium  an  Magdeburg  zu  geben,  wodurch  es  mit  der
Zeit  dem  Churfürsten  von  Brandenburg  zugefallen  wärc,
welcher  sich  auch  sehr  eifrig  um  dasselbe  bewarb;  daher  eilte
Johann  Georg  es  anzunehmen,  um  nicht  den,  nicht  eben  von
ihm  begünstigten  Nebenbuhler  sich  zuvorkommen  zu  lassen.
Ob  er  sich  immer  würdig  gezeigt,  die  Leitung  der  evangeli—
schen  Angelegenheiten  in  Deutschland  anvertraut  zu  erhalten,
sey  dahin  gestellt.  —

Dies  waren  fuͤr  Sachsen  die  Fruͤchte  des  dreißigjaͤhrigen
Krieges!  Flammen,  Martern,  Waffen  und  Seuchen,  hatten
eine  furchtbare  Heerschau  in  dem  ungluͤcklichen  Lande  gehalten
  und  es  zum  Gerippe  ausgezehrt.  Städte  waren  niedergebrannt,
  Fluren  verwuͤstet,  eine  ganze  Generation  —  moͤchte
man  sagen  —  verwaist.  Und  welcher  Ersatz  ward  dafuͤr
geboten!  Die  unbesonnensten  Wagnisse  haͤtten  nicht  so  bodenloses
  Elend  über  das  Land  hereinführen  können,  als  das
klügelnde  Saudern,  das  schwankende  Ueberlegen  und  Rücksichtnehmen
  des  Churfürsten,  dessen  Charakterlose  Diplomatik
sich  —  leider  nur  an  seinem  unschuldigen  Lande  —  furchtbar
  rächte.  Wären  diese  Opfer  nur  wenigstens  für  einen
Glauben,  für  eine  religidse  oder  politische  Ueberzeugung  dargebracht
  worden,  so  wären  sie  noch  immer  weniger  schmerzlich
  gewesen;  aber  eben  das  voͤllige  Nichtvorhandenseyn  einer
  bestimmten  Ueberzeugung  hatte  sie  verschuldet.  Viele
Fürsten  haben  ihre  Länder  noch  elender  gemacht,  als  Johann