Johann  Georg  II.  325

neue  Defensionssystem,  der  Anfang  zum  stehenden  Heere,
führte  ebenfalls  zu  Weitläufigkeiten.  Die  Ritterschaft,  deren
  Heldenzeit  ohngefähr  mit  Erfindung  des  Pulvers  zu
Grabe  gegangen  war  und  die  jeßt  eine  behagliche  Ruhe  den
Stuͤrmen  des  Schlachtfeldes  vorzog,  vielleicht  auch  durch
dieses  neue  Werbesystem  ihr  militairisches  Uebergewicht  über
den  Bürger  verleren  zu  haben  glaubte,  wußte  sich  endlich
durch  Geld  vom  Dienste  loszukaufen,  wodurch  das  ritterschaftliche,
  auf  die  Nilterpferde  vertheilte  Donativ  zuerst  begründet
  und  dann  in  dieser  Form  beibehalten  wurde.  Von
der  Landschaft  mußte  der  Churfürst  manchen  wohlverdienten
Vorwurf  verschlucken,  der,  wenn  er  ihn  eben  so  befolgt
hätte,  als  er  ihn  verstand,  nicht  ohne  gute  Folgen  geblieben
seyn  würde.  Der  Verfall  der  Sitten,  namentlich  aber  der
steigende  Luxus,  machten  eine  Verbesserung  der  Polizei  ndthig,
  zu  welcher  sich  der  Churfürst  willig  verstand,  spater
jedoch  durchaus  nichts  davon  hoͤren  wollte,  als  man  mit
Recht  bemerkte,  daß,  rücksichtlich  der  Einschränkung  übermä-Higen
  Aufwandes,  bei  Hofe  zuerst  der  Anfang  gemacht  werden
  musse.  Ueberhaupt  mußte  der  Churfürst  wegen  seiner
lockern  Hofwirthschaft  und  seiner  Verschwendung,  bei  der
unendlichen  Armuth  seines  Landes,  von  seiner  Landschaft
viele  bittere  Bemerkungen  und  ernsthafte  Vorstellungen  hoͤ-ren,
  die  leider,  bei  seiner  Gefühls=  und  Verstandesflachheit,
nie  viel,  geschweige  denn  lange,  fruchteten.  Bessern  Fortgang
  hatten  die  zu  Erledigung  der  Landesgebrechen  getroffenen
  Maßregeln.  Besonders  heilsam  war  die  zu  Entscheidung
  zweifelhafter  Rechtsfälle,  in  welchen  die  Farultäten,
Schdppenstühle  und  Landesgerichte  früher  oft  ganz  abweichende
  Urtheile  gefällt  hatten,  bestimmte  Deputation,  welcher
  zugleich  die  Revision  der  Polizciordnung  oblag.  Durch
diese  und  noch  manche  innere  Verbesserungen,  welche  freilich
mehr  seiner  Zeit,  als  seiner  Regierung  zu  gute  kommen,
fällt  noch  ein  gewisser,  wenn  auch  nicht  eigentlich  aͤchter
Schimmer  auf  das  Leben  dieses  Churfürsten,  der  wohl  eine
der  mattesten  Fürstengestalten  in  der  sächsischen  Geschichte
bilden  dürfte.