Johann  Georg  HI.  327

schutz.  In  dem  sogenannten  Dresdener  Elucidationsrecesse
vom  12.  Septbr.  1682  erkannte  der  Herzog  die  übrigen
staatsrechtlichen  Vorzüge  des  Churhauses  an  und  wurden
hierüber  die  weitläuftigern  Bestimmungen  getroffen.  —  Nicht
so  friedlich,  als  die  Weissenfelser  Linie,  fügten  sich  dem  Verlangen
  des  Churfärsten  die  Herzoge  Moritz  Wilhelm  von
Sachsen-Zeit  und  Christian  von  Merseburg.  Vielmehr  mußte
er  an  ihnen  den  heftigsten  Widerstand  erfahren,  ja  sie  verklagten
  ihn  wegen  der  Maßregeln,  die  er  gegen  das  großväterliche
  Testament  und  den  freundbrüderlichen  Vergleich  getroffen,
  sogar  am  kaiserlichen  Hofe,  und  diese  Irrungen
wurden  für  den  Churfürsten  um  so  unangenehmer,  da  der
kaiserliche  Hof,  ohngeachtet  der  dem  Erstern  schuldigen  Verbindlichkeiten,
  wiederholt  sich  auf  die  Seite  der  jüngern  Linien
  schlug,  und  ihnen  seine  Unterstätzung  wie  auch  seine
besondere  Gunst  bezeigte,  indem  er  z.  B.  ihnen  1689  urkundlich
  den  Titel  Durchlaucht  gewährte,  den  damals  nicht
cinmal  die  alten  Fürsten  durchgangig  behaupteten.

Dem  Churfürsten  mußten,  bei  den  kriegerischen  Unternehmungen,
  welche  ihn  beschäftigten,  dergleichen  Mißhelligkeiten
  doppelt  unangenehm  seyn.  Das  deutsche  Reich  ward
damal5  von  einer  dringenden  Gefahr  bedroht,  die,  wenn
nicht  noch  im  letztentscheidenden  Augenblicke  Hilfe  gekommen
wäre,  von  unabsehbaren  Folgen  für  Welt  und  Kirche  härte
werden  konnen.  Die  Türken,  jene  alten  wäthenden  Erbfeinde
  Oesterreich's,  hatten  die  gefährliche  Nachbarschaft  wieder
  einmal  benutzt,  mit  zahlreicher  Macht  Ungarn  überschwemmt
  und  belagerten  mit  fürchterlicher  Hartnäckigkeit
Wien,  dessen  Burger,  auf's  Aeußerste  gefaßt,  bewaffnet
die  Mauern  ihrer  geliebten  Stadt  vertheidigten.  Kara  Mustapha,
  der  Anführer  der  Unglaubigen,  ängstigte  die  Stadt
durch  Unterminirung  und  durch  die  aufgesteckte  schreckliche
Blutfahne.  Nur  der  unerschrockenen  Ausdauer  des  Commandanten,
  Rüdiger  von  Starhemberg,  der  von  der  Höhe  des
Stephansthurms  mit  scharfem  Blick  jede  Bewegung  des
Feindes  belauschte,  und  der  heldenmüthigen  Kraft  seiner  Bürger
  konnte  es  gelingen,  die  Belagerung  bis  zum  spaͤten  Au-168

