Johann  Georg  III.  329

chem  Falle,  nicht  anders  zu  helfen,  als  daß  man  den  ganzen
  Convent  auseinander  gehen  ließ.  Andere  Irrungen  —
unter  denen  es  hoffentlich  nicht  die  wirksamste  war:  daß  die
herzoglichen  Gesandten  nicht  mehr  auf  bloßen  lederbeschlagenen
  Stühlen,  sondern,  gleich  den  churfürsilichen,  auf  sammtnen
  Lehnsesseln  sitzen  wollten  —  kamen  hinzu,  und  so  wurden
  von  da  an  die  obersächsischen  Krelstage  gänzlich  aufgehoben.


Mit  der  Republik  Venedig,  wohin  er  selbst  reisete,  und

mit  deren  Dogen  schloß  Johann  Georg  im  Jahre  1685  einen  1635

Subsidientractat,  zufolge  dessen  er  ihr  drei  Regimenter  Sachsen
  überließ,  die  sich  bei  der  Eroberung  von  Morca  rühmlich
auszeichneten.  Ja,  wie  üblen  Lohn  auch  der  Churfürst  sich
vom  Kaiser  geholt,  so  war  er  doch  edel  genug,  demselben,
unter  Anfährung  des  Herzogs  Christian  von  Merseburg,  wiederum
  5000  Sachsen  zu  Hilfe  zu  senden,  welche  unter  dem
General  Schôning  den  heißen  Tag  (2.  Septbr.  1686)  mitmachten,
  wo  das  seit  145  Jahren  von  den  Türken  besetzte
Ofen  denselben  muthig  entrissen  wurde,  und  den  Ruhm  der
Tapferkeit  verdienten.

Johann  Georg  war  vom  Schicksal  nicht  bestimmt,  einen
Nuhepunct  seines  Lebens  zu  erringen,  und  wo  die  Hauptkämpfe
  nachließen,  entspannen  sich  ihm  wenigstens  kleinere
Mißhelligkeiten.  Mit  Brandenburg,  welches  schon  seit  laͤngerer
  Zeit  eine  starke  Rivalität  gegen  Sachsen  behauptete,
gerieth  er  wegen  der  Abtei  Quedlinburg  und  über  das  Fürstenthum
  Querfurt  in  Unfrieden.  Wichtiger  aber,  als  diese
Händel,  war  der  Lauenburgische  Erbfolgestreit,  welcher  nach
dem  unbeerbten  Ableben  des  Herzogs  Julius  Franz  von
Lauenburg  (1.  Septbr.  1689)  losbrach.  Schon  am  28.
Tuli  1507  hatten  Churfürst  Friedrich  der  Weise  und  sein
Bruder  Herzog  Johann  der  Deständige  vom  Kaiser  Maximilian
  I.  die  Anwartschaft  auf  Lauenburg  erhalten.  Leider
ließ  diese  Amvartschaft  in  Zweifel,  ob  sie  der  Ernestinischen
oder  der  Albertinischen  Linie  des  Hauses  Sachsen  zugehdre,
und  wahrscheinlich  würde  jetzt  hierüber  zwischen  beiden  Linien
  eine  Streitfrage  entstanden  seyn.  Ehe  aber  noch  beide

1686

1689