334  Johann  Georg  III.

Waffen  zu  seyn.  Mittlerweile  nahm  sein  Unwohlseyn  dergestalt
  überhand,  daß  die  Aerzte  ihm  ganz  ernsthaft  abricthen,
  einen  abermaligen  Feldzug  in  Person  mitzumachen.
Da  er  aber  sich  in  ein  neues  Bündniß  mit  dem  Katser  eingelassen,
  nach  welchem  er  12,000  Mann  zu  stellen  sich  verpflichte:,
  und  Jener  ihm  den  Oberbefehl  am  Rhein  übertragen
  hatte,  so  schlug  der  kriegslustige  Fürst  das  Bedenken
seiner  Aerzte  in  den  Wind  und  erklärte,  dem  ehrenden  Rufe
zu  folgen,  selbst  wenn  er  gensthigt  wäre,  sich  über  den
Rhein  tragen  zu  lassen.  Leider  sollte  seine  entschlossene  Selbstaufopferung
  gleichwohl  der  allgemeinen  Sache  nicht  die  verhofften
  Früchte  tragen!  Mit  dem  Anführer  der  kaiserlichen
1001  Truppen,  Caprara,  ging  er  über  den  Rhein;  aber  die  steten  Zwisiigkeiten
  zwischen  Caprara  und  dem  chursächsischen  Feldmarschall
  Schôning,  welche  bei  jeder  Gelegenheit  einander  opponirten,
  führten  auch  hier  zu  Nachtheilen.  Die  Feinde  gewannen
  Zeit,  bei  Philippsburg  den  Rhein  zu  überschreiten,
und  die  Deutschen  waren  nunmehr  gezwungen,  ebenfalls  über
denselben  zurückzugechen.  Eine  ansteckende  Krankheit,  welche
im  deutschen  Heere  ausbrach,  ergriff  auch  den  Churfürsten
von  Sachsen.  Vergebens  ließ  er  sich  nach  Tübingen  bringen;
  er  starb  daselbst  am  12.  September  1691,  44  Jahre
alt.  Feierlich  ward  der  todte  Fürst  nach  seinem  Vaterlande
abgeführt  und  im  Dome  zu  Freiberg  —  der  Ruhestätte  seiner
  Ahnen  —  beigesetzt.

Er  war  ein  Fuͤrst  von  kriegerischer  Lust  und  Fähigkeit,
der  nur  zu  sehr  durch  die  Umstände  und  durch  die,  seiner
entschlossenen  Sinnesart  entgegengesetzte  Saumseligkeit  seiner
  Bundesgenossen,  in  seinem  Wirken  gehemmt  wurde.
Besser  und  weiser  wérc  es  freilich  von  ihm  gewesen,  wenn
er,  diese  Hindernisse  berücksichtigend,  seiner  kriegerischen
Laune  ein  zweckmäßiges  Ziel  gesetzt  hätte.  Das  Ritterthum,
welches  ihm  in  den  Gliedern  lag,  war  nicht  mehr  für  seine
Zeit  gemacht  und  kounte  ihm  höchstens  einen  dußern  Schimmer
  von  Ruhm  erwerben,  der  die  seinem  Lande  dadurch  verursachten
  Nachtheile  nicht  aufwog.  Ritterlicher  Sinn  und
eine  biedere  Großmuth,  welche  sich,  selbst  dem  offenen  Un-