1692

336  Johann  Georg  IV.

wohl  zu  vergeben  war.  Umsonst  suchte  sein  Vater,  den  die
ungestuͤme  Heftigkeit  dieser  Leidenschaft  fruͤhzeitig  mit  ernsteren
  Besorgnissen  erfüllen  mochte,  ihn  durch  Zerstreuungen
edlerer  Art,  namentlich  durch  Reisen  nach  England,  Frankreich
und  Holland,  dieselbe  vergessen  zu  machen.  Umsonst  ließ
er  den  feurigen  Prinzen  Theil  an  seinen  eignen  Feldzügen
gegen  Frankreich  nehmen.  Die  unglückliche  Flamme  brach
unter  jedem  Mittel,  sse  zu  dämpfen,  nur  noch  gewaltsamer
hervor.  Fast  schien  sie,  als  sie,  nach  dem  Tode  seines  Vaters
  und  seinem  Regierungsantrikcte,  freier  walten  durfte,
weniger  gefährlich,  als  in  ihrer  vorherigen  Unterdrückung.
Wenigstens  zeugten  die  ersten  Regentenhandlungen  des  jungen
  Churfürsten  von  einer  rühmlichen  umsicht  und  Besonnenheit,
  die  gleichsam  in  jener  Liebe  nur  einen  befeuernden
Antrieb,  nicht  aber  eine  sinnverwirrende  Lähmung  zu  verrathen
  schien.  Eingedenk  der  politischen  Meinung  seines  Vaters
  in  Bezug  auf  Frankreich,  ging  er  mit  dem  fränkischen
und  schwäbischen  Kreise  einen  Vertrag  ein,  nach  welchem  er,
gegen  angemessene  Vergutung,  ihre  Grenzen  mit  einem  Theile
seiner  Truppen  zu  decken  sich  anheischig  machte.  Auch  entsprach
  er  bestens  den  Hoffnungen  des  Churfürsten  Friedrich
III.  von  Brandenburg,  der  ihn  im  Januar  1692  personlich
zu  Torgau  besuchte,  und  schloß  mit  demselben  ein  sehr  enges
  Bündniß  gegen  die  von  Frankreich  her  drohende  Gefahr.
Beide  Fürsten  mußten  sehr  zufrieden  mit  dieser  gegenseitigen
Vereinigung  seyn;  denn  zum  Andenken  daran  stifteten  sie
den  Rirterorden  der  guten  Freundschaft  oder  vom  güldenen
Armband,  dessen  Zeichen  in  einem  goldenen  Medaillon  bestand,
  auf  dessen  einer  Seite  sich  zwischen  Lorbeerzweigen
das  sächsische  Churschwert  und  das  brandenburgische  Erzkämmerer-Scepter
  kreuzten  und  zwei  geharnischte  Hände  —  mit
der  umschrift:  „auf  immer  vereinigt“  —  )  in  einander
ruhten,  während  die  andere  Seite  die  Namenszüge  der  beiden
  Churfürsten  nebst  den  bedeutungsvollen  Worten:  „aufrichtige
  Freundschaft“  zeigte.  Das  Bündniß  erhielt  eine

*)  Wer  denkt  dabei  nicht  an  das  Jahr  181521  —