Johann  Georg  IV.  337

neue  Gewähr  durch  die  kurz  darauf  in  Berlin  erfolgende
Verlobung  des  Churfürsten  von  Sachsen  mit  der  verwittweten
  Markgräfin  von  Anspach,  Eleonore  Erdmuthe  Louise,
aus  dem  Hause  Eisenach.  Leider  sah  man  diesem  Bündnisse
in  seinem  Entstehen,  wie  in  seinem  Fortgange  zu  sehr  die
künsiliche  Mechanik  einer  Convenienzheiratb  an.  Wie  es
heißt,  ging  Johann  Georg  seiner  Braut,  bei  ihrem  Einzuge,
nicht  einmal  entgegen,  sondern  stand  während  dessen  mit
der  Neibschüß  im  Fenster.  Welche  Gefühle  aber  mußten  sich
der  Braut  bemächtigen,  als  sie  ihrem  Verlobten  zugeführt
ward  und  dieser  sie  mit  der  zartsinnigen  Bemerkung  empfing:
„Sie  müssen  wohl  toll  seyn,  daß  sie  in  den  Hundstagen
ein  sammetnes  Kleid  tragen!“  Bei  solchen  Verständigungen
zwischen  Brautleuten  fehlte  freflich  nicht  viel,  daß  die  Ehe
rückgängig  gemacht  worden  wäre,  wenn  nicht  des  Churfürsten
  von  Brandenburg  gegründete  Vorstellungen  diesem  öfsentlichen
  Aergernisse  noch  vorgebeugt  hätten.

Schr  bald  änderte  sich  auch  die  Politik  des  Churfärsten,
und  die  vorher  von  ihm  gezeigte  Selbstständigkeit  gab  einer
schwankenden  Charakterlosigkeit  Raum.  Besonders  mochte
ihn  sein  Feldmarschall,  von  Schöning,  der  sich  von  Brandenburg
  beleidigt  glaubte,  in  seinem  Eifer  an  der  deutschen
Sache  gegen  Frankreich  wanken  machen;  wenigstens  zog  er
die  bisher  gestellte  starke  Mannschaft  zurück  und  gab  nur
noch  sein  gewöhnliches  Contingent  zum  Reichskriege  her.
Es  sind  sogar  ziemlich  glaubwürdige  Zeugnisse  vorhanden,
daß  er  sich  von  dem  hannoverschen  Minister  Groote  zu  einem
  heimlichen  Neutralitätsvertrage  bereden  ließ,  der  auf
Gründung  einer  dritten,  vom  Kaiser  unabhängigen  Partei
zielte.  Obendrein  war  der  Churfürst  damit  in  eine  Schlinge
gefallen,  denn  Groote  reis'te,  ehe  man  vermuthete,  nach
Wien  und  entdeckte  dort  dem  Kaiser  das  Bündniß,  welches
sein  Herr  aufzuldsen  gesonnen  sey,  wenn  der  Kaiser  ihm  die
Churwürde  verleihen  wolle..  Dem  Herzoge  von  Hannover
gluckte  dieser  Plan  und  er  erlangte  den  Churhut,  wodurch
jener  Neutralitätsvertrag  vatürlich  sich  wieder  erledigte.  Das

räthselhafte  Benehmen  des  Churfürsten  von  Sachsen  aber
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