Johann  Georg's  IV.  Tod.  339

ferenz,  in  gutem  Vernehmen  zu  bleiben  strebte.  Es  ward
ihm  nicht  schwer,  seiner  Geliebten  den  Reichsgrafenstand

vom  Kaiser  zu  ermitteln,  sie  erhielt  im  Februar  1693  das  1693

Diplom  zu  Wien  ausgefertigt,  welches  ihr  den  Titel  einer
Gräfin  von  Rochlitz  und  die  Prädicate  „Hoch  und  Wohlgeboren“
  zugestand.  Nicht  so  schnell  ging  es  mit  dem  Fürstentitel,
  welchen  Johann  Georg  der  neuen  Gräfin  auszuwirken
  wünschte;  doch  ließ  er  sich  keine  Mühe  verdrießen,  und
dieser  Wunsch  war  ein  Hauptmotiv,  daß  er  mit  dem  Kaiser
  einen  neuen  Bund  einging,  demzufolge  er  12,000  Mann
gegen  die  Franzosen  in's  Feld  stellen  und  dafür  400,000
Thaler  Subsidiengelder  crhalten  sollte.  Desgleichen  trat  er
der  zwischen  dem  Kaiser  und  den  Niederlanden  am  12.  Mai
1689  gestifteten  großen  Allianz  bei,  welcher  sich  bereits  mehrere
  Staaten,  unter  ihnen  England,  angeschlossen  hatten.
Er  selbst  ging  in  Person  zur  Armee,  welche  der  Prinz  Ludwig
  von  Baden  befehligte.  Die  Gräfin  von  Rochlitz  begleitete
  ihn  auf  diesem  Feldzuge,  welcher  sein  und  ihr  letzter
werden  sollte.  —

Ein  tragischer  Schicksalsgriff  vereitelte  alle  weitern  stolzen
  Plane  der  neuen  Grafin,  die  sich  —  wozu  Johann  Georg's
  Betheuerungen  sie  allerdings  berechtigten  —  schon  zur
Churfürstin  träumen  mochte.  Sie  ward  —  eine  beissende
Ironie  zu  dem  hochfliegenden  Leben  des  stolzen  Weibes  —
von  den  Kinderblattern  ergriffen  und  wurde  durch  dieselben
am  4.  April  1694  eine  Beute  des  Todes.  Der  unglückliche
Churfürst,  welcher  nicht  von  ihrer  Leiche  zu  trennen  war
und,  in  stumpfer  Verzweiflung  darüber  hingeworfen,  das
Gift  der  Krankheit  in  sich  athmete,  wurde  ein  Opfer  seiner
wahnsinnigen  Liebe.  Ebenfalls  von  den  Kinderblattern  besallen,
  die  er  sich  am  Lager  der  Sterbenden  und  an  ihrer
Leiche  geholt  hatte,  folgte  er  ihr  schon  nach  drei  Wochen
(27.  April)  im  Tode.  Das  Erbbegräbniß  zu  Freiberg  nahm

ihn  —  den  letzten  sächsischen  Landesfürsten,  der  dorthin  begraben
  wurde  —  auf.  Seiner  Geliebten  hatte  er  vorher

noch  ein  fast  fürstliches  Leichenbegängniß  angeordnet;  sie
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1694