340  Johaun  Georg's  IV.  Tod.

ward  hinter  dem  Altare  der  Sophienkirche  zu  Dresden  ein—
gesenkt.

Man  hatte  sich,  wie  schon  weiter  oben  bemerkt,  die  un—
baͤndige  Glut  des  Churfuͤrsten  fuͤr  die  Neitzschuͤtz  nur  durch
den  Glauben  an  Zauberkuͤnste  erklaͤren  koͤnnen,  und  dies
ging  so  weit,  daß,  nach  dem  Tode  Beider,  eine  Untersuchung
  gegen  die  Mutter  der  verstorbenen  Graͤfin  und  mehrere
  Mitbeschuldigte  eingeleitet  wurde.  Muthmaßlich  war  in
gewißer  Hinsicht  dieser  Verdacht  nicht  ganz  ungegründet.
Die  Gräsin  und  ihre  Mutter  hatten,  im  Glauben  ihrer  Zeit,
sich  allerdings  gewisser  tollen  Zaubereien  bedient,  durch
welche  sie  das  Herz  des  Churfürsten  unlbsbar  zu  fesseln
meinten.  Daß  zufällig  Sibyllens  Schönheit  das  gelang,
was  die  angewendeten  Zaubermittel  schwerlich  bewirkt  hätten,
  gab  gleichwohl  Ursache,  noch  mehr  an  die  Wirksamkeit
  Leßzterer  zu  glauben.  Man  grub  den  Leichnam  der  Neitzschütz
  wieder  aus  und  raubte  ihm  unter  andern  auch  ein
aus  dem  Haupthaare  des  Churfürsten  geflochtenes  Haarband,
welchem  man  die  Schuld  von  Jcohann  Georg's  tödtlichem
Aushalten  bei  der  Leiche,  zuschrieb.  Mehrere  Milbeschuldigte
geriethen  in  Strafe;  die  Mutter  der  NeiGschütz  —  welcher
Johann  Georg's  Bruder,  Friedrich  August,  schon  fräher  heftige
  Drohungen  angethan  hatte  —  mußte  eine  peinliche  Untersuchung
  bestehen,  und  kam  erst  später  wieder  in  Freiheit.
Ihren  Zauberkünsten  maß  man  allgemein,  selbst  von  Seiten
  der  Landschaft,  den  frühzeitigen  Tod  des  Churfürsten  bei.

In  der  That  kann  der  gewaltsame  Untergang  Johann
Georg's  IV.  nur  mit  Wehmuth  erfüllen.  Nach  mehrseitigen
  Zeugnissen  war  er  ein  Fürst  von  ursprünglich  schönen
Anlagen,  von  denen  uns  in  der  ersten  Zeit  seiner  Regierung
manche  erfreuliche  Zeugnisse  begegnen.  Sein  scharfer  Verstand
  und  sein  praktischer  Ueberblick  verursachte  lässigen  Beamten
  manche  Beschämung,  die  durch  seine  beissenden  Bemerkungen
  nicht  eben  getilgt  werden  konnte.  Schade,  daß
so  viel  Geist  und  Liebenswürdigkeit  so  bald  in  unwürdigen
Banden  erschlaffte,  in  ungemaßigter  Leidenschaft  erstarb!
Sein  Bruder  und  Nachfolger,  der  sich  schwerlich  an  ange-