342  Friedrich  August  I.

werfen,  zuletzt  schwingen  ließ  und  wodurch  sich  seine  Muskelstärke
  recht  allmälig  entwickeln  lernte.  Seine  geistigen
Fahigkeiten  strebten  seinen  körperlichen  die  Wage  zu  halten,
obschon  sie  ssch  mehr  auf  Witz,  Lebhaftigkeit  und  Kunstgeschmack,
  als  auf  Tiefe  und  Reife  des  Verstandes  richteten.
Eitelkeit,  Prachtliebe  und  Abentheuersucht,  vor  Allem  aber
ein  unbändiger  Hang  zur  Wollust  (die  höhere  Liebe  diente
ihm  nur  als  Maske),  welchem  seine  gewaltige  Natur  vollkommene
  Freiheit  gestatten  durfte,  verkehrten  seine  adussern
und  innern  Vorzüge  gar  bald  in  bloße  Mittel  zu  Erreichung
seiner  uylautern  Zwecke  und  zu  Befriedigung  seiner  zägellosen
  Begierden,  die  ihn,  obgleich  er  sie  mit  Gold  und  Prunk
umkleidete,  allmilig  ganz  in  den  Staub  niederzogen.

Durch  vielfache  Reisen,  welche  er  noch  als  Prinz  nach
Frankreich,  Holland,  England,  Spanien,  Portugal,  Italien
  und  Ungarn  unternahm,  hatte  er  frühzcitig  seine  Weltkenntniß
  und  seinen  Geschmack  ausgebildet,  aber  auch  von
der  üppigen  Weichlichkeit  des  franzdsischen  Hofes,  den  der
seitdem  in  Pracht  und  Manieren  von  ihm  nachgeäffte,  aber
im  Geiste  unerreichte  Ludwig  XIV.  unterhielt,  angenommen.
  Die  spanische  Romantik,  welche  er  ebenfalls  in  einzelnen
  Flittern  von  seinen  Reisen  zurückbrachte,  konnte  bei
dem  niedrig-sinnlichen  Friedrich  August  I.  nur  zum  Berrbilde
  werden  und  mußte  jenen  keuschen  Reiz  verlieren,  der
das  spanische  Ritterthum  auszeichnet.  So  für  den  Süden
zu  grob-wollöstig,  für  den  Norden,  ohngeachtet  aller  ehysischen
  Kraft,  zu  erschlafft  und  weichlich,  wurde  er  zu  einer
verzerrten  Copie  fremder  Sitten,  und  sein  ganzes  historisches
Bild  wird  einem  gesunden  Auge  unendlich  widrig.  Doch
gehen  wir,  nach  dieser  vorläufigen  Charakterskizze,  nunmehr
zu  seinem  Leben  über.  —

Sein  ungeduldiger  Sinn  —  er  und  seine  Zeitgenossen
hielten  es  für  kriegerische  Neigung  —  wünschte  Veränderung,
und  da  diese  nirgend  reichhaltiger,  als  im  Kriege  zu  finden
war,  so  stimmte  er  für  Krieg.  Er  hatte  schon  früher  in
Wien  mit  dem  Ungarnkönig  und  späteren  Kaiser  Joseph  I.
Freundschaft  geschlossen,  und  dies  mochte  ihn  näher  zu  Oester-