Friedrich  August  I.  343

reich  hinziehen.  Er  erneuerte  daher  am  23.  Mai  1694  den
schon  von  seinem  Vorgänger  mit  dem  Kaiser  abgeschlossenen
Subsidienvertrag,  wobei  er  sich  zugleich  in  einem  besondern
Artikel  anheischig  machte,  zur  Readmission  der  Krone  Böhmen
  zum  Besitz  aller  Churgerechtsamen  bestens  behilflich  zu
seyn.  Dem  anfänglichen  Plane  des  Kaisers,  den  Oberbefehl
  über  die  Armee  am  Rheine  gegen  die  Franzosen,  dem
Prinzen  Ludwig  von  Baden  zu  übertragen,  zeigte  sich  der
Churfürst  abgeneigt;  vielmehr  trug  derselbe  darauf  an,  daß
die  oberste  Anführung  der  Reichsarmee  von  50,000  Mann
ihm,  jedoch  unter  Abhängigkeit  vom  Könige  Wilhelm  von
England,  anvertraut  werden  sollte,  wobei  er  noch  aufserdem
den  Feldmarschall  Schoͤning,  der,  zufolge  des  vorigen  Tractates,
  ausser  Thätigkeit  hatte  gesetzt  werden  müssen,  wieder
in  den  Dienst  einrücken  zu  lassen  beabsichtigte.  Der  letztere
Punct  war  dem  kaiserlichen  Hofe  nicht  annehmlich,  und
nach  einigen  Debatten,  schloß  man  am  17.  April  1695  ei-  1695
nen  andern  Tractat,  wodurch  dem  Churfürsten  das  oberste
Commando  über  die  Armee  gegen  die  Türken  zufiel.  Er
selbst  hatte  8000  Mann  Hilfstruppen  zu  diesem  Behufe  zu
stellen,  deren  Verpflegung  dem  Kaiser  obliegen  sollte,  wogegen
  der  Churfürst  auf  die  früher  verhandelten  Subsidiengelder
  Verzicht  leistete.  Von  aller  Beihülfe  zu  dem  Feldzuge
am  Rheine  blieb  er  nunmehr  verschont;  es  war  ihm  sogar
nachgelassen,  seine  8000  Mann  aus  Ungarn  zuräckzuziehen,
im  Falle  der  kaiserliche  Hof  dem  Tractat  zu  nahe  träte  oder
seinen  eigenen  Erblanden  Gefahr  drohete.  Bei  all  diesen
Auszeichnungen,  welche  man  dem  Churfürsten  angedeihen
ließ,  mußte  er  doch  in  Wien  —  wohin  er  sich  im  Juni
begeben  hatte  und  wo  man  ihn  mit  vielen  Ehrenbeteigungen
  empfing  —  in  Beziehung  auf  das  ihm  übertragene
Commando  über  die  kaiserliche  Armee  einen  Diensteid  ablegen,
  der  sich  nicht  ganz  wohl  mit  seinem  Stolze  vertrug
und  wobei  ihn  nur  der  Umstand  trösten  konnte,  daß  der
Churfürst  von  Baiern  seiner  Zeit  sich  derselben  Unannehmlichkeit
  hatte  unterziehen  müssen.  Das  vorsichtige  und  bedachtsame
  System  Oesterreichs  gab  es  einmal  nicht  anders  zu.