Friedrich  August  J.  345

welchen  (am  11.  Septbr.)  der  berühmte  Eugen  von  Savoyen
  bei  Zentha  uͤber  die  Türken  errang,  der  den  fliehenden
  Sultan  in  so  wilde  Verzweiflung  brachte,  daß  er  sich  die

Haare  zerraufte.  Mit  diesem  Siege  war  die  Kriegsmacht

der  Türken  vor  der  Hand  gebrochen,  und  der  siegreiche  Eugen
  konnte  bald  darauf  den  vortheilhaften  Frieden  von  Carlowitz
  schließen,  durch  welchen  Oesterreich  in  den  Besicz  von
Siebenbürgen  und  Slavonien  kam  und  seinem  Bundeösgenossen
  in  Venedig  zu  der  Erlangung  von  Moreca  verhalf.

Friedrich  August's  Ehrgeiz  und  Prunkliebe  ließ  ihm  den
Besitz  der  polnischen  Krone  in  einem  unendlich  verlockenden
Lichte  erscheinen,  und  wie  wenig  es  ihm  auch  an  vernünftigen
  Vorstellungen  gefehlt  haben  mag,  die  ihm  den  hohlen
Kern  dieses  flimmernden  Erwerbes  hinlänglich  hätten  begreiflich
  machen  können,  so  war  er  doch  entschlossen,  selbst
das  Hochste  und  Heiligste  an  dieses  trügende  Kleinod  zu
setzen.  Man  hätte  glauben  sollen,  daß  schon  die  Beschränkungen,
  welcher  in  Polen  durch  die  Feudalaristokratie  des
Adels  und  durch  die  zu  beschwörenden  Verträge,  die  königliche
  Gewalt  sich  sügen  mußte,  den  zu  eigensinniger  Willkühr
  geneigten  Charakter  des  Churfürsten  wenig  ansprechen
koͤnnten,  wenn  er  auch  sich  über  die  kärglichen  Ausbeuten
der  polnischen  Krone  hinweggesetzt  hätte.  Aber  da  er  in  dem
polnischen  Königsmantel  nur  einen  Gallarock  erblickte,  in
welchen  sich  seine  äußere  Eitelkeit  um  jeden  Preis  zu  kleiden
wünschte,  so  ließ  er  sich  durch  die  innere  Verwilderung  des
polnischen  Staatswesens  nicht  abschrecken  und  leistete,  bei
dem  bekannten  widerspenstigen  Stolze  des  dortigen  Adels,
gern  Verzicht  auf  die  wirkende  königliche  Gewalt,  wenn
ihm  nur  die  königliche  Würde  nicht  entging.  Und  um  dieses
  glänzende  Phantom  zu  erhaschen,  erlaubte  er  sich,  auf
Kosten  seiner  Erblande,  die  ungeheuersten  Opfer.  Sein  nach
Polen  gesendeter  Vertraute,  der  Oberst  Jacob  Heinrich
von  Flemming  —  ein  Mann  von  hbchst  zweideutigem  Charakter,
  in  welchem  sich  Anmaßung,  Dreistigkeit,  Ausschweifungssucht
  und  großes  Talent  auf  die  seltsamste  Weise  be-1697

