346  Friedrich  August  J.

gegneten  —  setzte  ungeheure  Summen  in  Bewegung,  um
seinem  Herrn  die  Stimmenmehrzahl  gegen  den,  ebenfalls
hitzig  um  den  polnischen  Thron  sich  bewerbenden  Prinzen
von  Conti  zu  erkaufen,  welcher  Letztere  durch  seinen  Gesandten,
  Polignac,  ebenfalls  Stimmen  einhandelte,  freilich
aber  im  Zahlen  nicht  so  lange  Athem  halten  konnte,  als
der  verschwenderische  Churfuͤrst  von  Sachsen.  Conti,  der
Vetter  Ludwig's  XIV.,  ward  durch  franzoͤsischen  Einfluß,
Friedrich  August  durch  den  Wiener  Hof  unterstuͤtzt,  den
schon  seine  politische  Eifersucht  gegen  Frankreich  bewegen
mußte,  den  Nebenbuhler  des  Conti  zu  vertreten.  Ein  dritter
  Bewerber,  Jacob  Sobiesky,  Sohn  des  verstorbenen  Königs,
  den  Oesterreich  anfangs  begünstigen  wollte,  konnte
gegen  so  reiche  Concurrenten  freilsch  nicht  auffommen.  Die
Aussicht  blieb  für  Friedrich  August  lange  zweifelhaft,  denn
Conti  wurde  von  dem  Reichsprimas,  Radzijowskynunterstätzt.
  Auch  schien  ihm  seine  Religion  ein  Hinderniß  bei
dieser  Königswahl.  Mit  dieser  Schwierigkeit  war  der,  schon
seit  längerer  Zeit  von  Jesuiten  und  Wiener  Emissairen  bebearbeitete
  Friedrich  August  am  schnellsten  abgefunden;  ehe
man  es  sich  versah,  reis'te  er  nach  Oesterreich  und  trat  am
1697  2.  Jun.  1697  zur  katholischen  Religion  über,  welchen  Uebertritt
  der  päbstliche  Legat  und  der  österreichische  Gesandte  sofort
  dem  polnischen  Reichstage  verbürgten.  Dennoch  war
selbst  am  Wahltage  (17.  Juni)  der  Ausgang  noch  ungewiß.
  Der  Prinz  Conti  wurde  vom  Primas  als  König  ausgerufen,
  aber  durch  des  Ersteren  Zögern  (er  hoffte  eine  Stimmeneinigung
  zu  erhalten)  hatte  sich  die  sächsische  Partei  verstärkt,
  und  während  der  Primas  mit  seiner  Partei  in  die
Kirche  gezogen  war,  rufte  der  Bischof  von  Cujavien  den
Churfürsten  von  Sachsen,  als  August  II.  zum  Könige  von
Polen  aus.  Dieser  verfügte  sich,  auf  die  Nachricht  seiner
Wahl,  sogleich  mit  8000  Mann  nach  Tarnowitz  an  die  polnische
  Grenze;  mit  einer  solchen  Bedeckung  hoffte  er  nöthigenfalls
  dem  Conti  die  Spitze  zu  bieten.  Der  Woywode
von  Wolhynien  kam  ihm  mit  mehr  als  tausend  Polen  ent-