Friedrich  August  I.  355

maligen  Revisionsbehörde  zu  erblicken  und  dadurch  sowohl
die  Verfassung  der  übrigen  Collegien  benachtheiligt,  als  auch
den  Zutritt  zu  der  Person  des  Konigs  erschwert.  Da  der
König  jedoch,  unter  dem  Anscheine  der  Empfindlichkeit  du-Herte,
  daß  diese  befürchteten  Nachtheile  weder  bisher  stattgehabt,
  noch  fernerhin  eintreten  würden,  und  die  Stände
dies  selbst  wahrnehmen  mochten,  so  erklärten  sie:  es  dem
Könige  zu  überlassen,  diese  hochwichtige  Sache  dergestalt
  einzurichten,  daß  die  Hauptverfassung  in  ihrem
Stand  erhalten  werde;  wobei  es  nunmehr  sein  Bewenden
hatte,  so  daß  der  König  sein  Kabinet,  als  seine  gcheime
Kanzelei,  beibehielt.

Verhängnißvoller,  als  alle  diese  innern  Veränderungen,
welche  der  Besitz  Polens  und  der  damit  verbundene  Geldaufwand
  verursachte,  war  der,  ebenfalls  durch  diesen  unglückseligen
  Erwerb  entzündete  Krieg  gegen  Schweden.  Obschon
  August  wahrscheinlich  nur  durch  ein  indirectes  Interesse
zur  Theilnahme  an  diesem  Kriege  verleitet  ward,  so  muß
man  doch  ihr  Hauptmotio  auf  diese  glänzende  Pandorabüchse,
  die  ihm  der  Erwerb  Polens  bot,  zurückieiten.  Mit  Eifersucht
  blickten  die  nordischen  Staaten  auf  die  Größe  Schwedens,
  welche  sich  im  Laufe  des  vorhergegangenen  Jahrhunderts
  auf  die  dußerste  Höhe  geschwungen  hatte.  Mit  Ungeduld
  warteten  sie  der  Gelegenheit,  diesem  Staate  einen
Theil  seiner  gewonnenen  Größe  wieder  zu  entreißen  und
glaubten  dieselbe  herbeigekommen,  als  im  Jahr  1697  der
erst  fünfzehnjährige  Carl  XII.,  dem  man,  freilich  nicht  mit
dem  besten  Grunde,  Unerfahrenheit  und  Geistesbeschranktheit
zutrauete,  den  schwedischen  Thron  bestieg.  Schon  am  24.
März  1698  schloß  der  Churfürst  von  Sachsen  mit  dem  Kd=  1698
nige  Christian  V.  von  Dänemark  eine  Defensiv-Allianz,
wobei  sich  Beide  zu  einer  gegenseitigen  Hilfe  von  8000  Mann
anheischig  machten.  Und  als  im  August  desselben  Jahres
der  Churfürst  mit  dem  russischen  Zaar  Peter  dem  Großen,
in  Rava  zusammenkam,  machte  ihm  dieser  den  ersten  Vorschlag
  zu  einem  Kriege  gegen  Schweden.  Damals  blieb  es
bei  bloßen  Besprechungen,  aber  im  nächsten  Jahre  schloß  16099

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