356  Friedrich  August  J.

August  sowohl  mit  dem  nunmehrigen  Koͤnige  von  Daͤnemark,
Friedrich  IV.,  durch  Verhandlungen  zwischen  dem  Grafen
Reventlow  und  dem  General  Flemming  zu  Dresden,  als
auch  durch  den  Generalmajor  von  Carlowitz  und  den  Liefländer
  Patkul,  zu  Preobragenskoye  mit  dem  Zaar  ein  wirkliches
  Offensiv=  und  Defensiv  -Bündniß  gegen  Schweden  ab.
Dem  Könige  von  Polen  war  es  hauptsächlich  um  die  Wiedereroberung
  Lieflands  zu  thun,  durch  welche  er  sich  die  polnische
  Nation  um  so  mehr  zu  verpflichten  glaubte,  da  er  in
den  Pactis  conventis  das  Versprechen  geleistet  hatte,  die  der
Republik  Polen  entrissenen  Länder  wieder  an  sie  zu  bringen.
Obgleich  durch  den  polnischen  König  Johann  Kasimir,  in
dem  Frieden  von  Oliva,  Liefland  an  Schweden  abgetreten
worden,  so  fehlte  es  doch  jetzt  nicht  an  einem  hörbaren  Vorwande
  zum  Kriege  (wie  denn  überhaupt  derjenige  stets  einen
  Vorwand  findet,  der  ihn  sucht),  indem  Schweden  sich
damals  verbindlich  gemacht  hatte,  dem  eroberten  Lande  alle
seine  Rechte  zu  lassen,  dieselben  aber  durch  die  auf  dem
schwedischen  Reichstage  von  1680  beschlossene  Reduction  der
veraußerlichen  Krongüter  beeinträchtigt  wurden.  In  diesem
Plane  einer  Wiedervereinigung  Lieflands  mit  Polen,  wurde
er  vorzüglich  durch  einen  mißvergnügten  Liefländer  bestärkt,
den  durch  seine  verhängnißvolle  Laufbahn  denkwürdigen  Johann
  Reinhold  von  Patkul.  Dieser  hatte  zu  Stockholm,  in
mehrfacher  Hinsicht,  die  Sache  seines  Vaterlandes  mit  Eifer
  und  Unerschrockenheit,  sedoch  wohl  nicht  immer  mit  der
nöthigen  Maßigung  geführt,  war,  als  schwedischer  Hauptmann,
  mit  zwei  seiner  Vorgesetzten  in  Händel  verwickelt
worden  und,  vor  eine  Königliche  Commission  nach  Stockholm
  berufen,  wohin  er  auf  das  ihm  verbürgte  sichere  Geleite
  bauend,  wirklich  ging,  sah  er  doch  den  üblen  Ausgang
seines  Prozesses  in  voraus  und  entwich  daher  vor  dessen  Beendigung
  eben  noch  zu  rechter  Zeit,  um  dem  bald  darauf
gegen  ihn  ausgesprochenen  Tedesurtheile  zu  entgehen.  Er
hielt  sich  seitdem  einige  Zeit  in  der  Schweitz  und  in  Fralien
auf,  bis  ihn  1698  Flemming  in  sächsische  Dienste  brachte.
Aber  gleich  der  Anfang  des  Krleges  gegen  Schweden  war