Friedrich  August  J.  357

von  Mißgeschick  bezeichnet.  Noch  ehe  die  Sachsen  in  Liefland
  eindrangen,  hatte  Dänemark  durch  einen  Angriff  auf
den  Herzog  von  Holstein-Gottorp,  Friedrich  IV.,  den  Schwager
  und  Freund  Carl's  XlII.  die  Feindseligkeiten  erdffnet.
Aber  der  Herzog  ging  mit  den  schwedischen,  hanndverschen
und  zellischen  Hilfstruppen,  die  er  bekommen,  über  die  Elbe
und  noͤthigte,  die  Dänen  von  der  Belagerung  von  Tonningen
wieder  abzulassen.  Durch  den  Einfall  der  durch  ein  holländisches
  Corps  verstärkten  Verbündeten  in  das  königliche  Holstein,
  wurde  Däncmark  noch  mehr  bedrängt.  Der  Churfürst
von  Sachsen  sendete  ihm  daher  die  versprochenen  8000  Mann
zu  Hilse,  die  jedoch,  naafdem  ihnen  schon  der  Marsch  sehr
erschwert  worden  war,  im  Braunschweigischen  angelangt,
von  hanndverschen  und  zellischen  Truppen  verjagt  wurden.
Diesem  Unfalle  folgte  am  28.  August  1700  der  Travendaler
Friede  zwischen  Schweden  und  dem  hartbedrängten  Dänemark,
  wodurch  der  Churfürst  von  Sachsen  und  der  russische
Zaar  plotzlich  eines  Bundesgenossen  sich  beraubt  sahen  und
die  Allianz  gegen  Schweden  gesprengt  war.  —  Während
dessen  war,  im  Einverständniß  mit  Rußland,  der  Generallieutenant
  Flemming  mit  einem  kleinen  Corps  süchsischer
Truppen  in  Liefland  eingefallen.  Man  hatte  auf  die  Insurrection
  der  liefländischen  Ritterschaft  gerechnet,  welche  zu  bewerkstelligen
  Patkul  alle  Mittel  verschwendete,  aber  diese
zeigte  sich  wider  alles  Verhoffen  unentschlossen  und  wollte
erst  den  Ausgang  abwarten,  wo  dann  freilich  ihr  Beistand
ziemlich  überflüssig  gemacht  worden  wäre.  Der  mißliche  Erfolg
  der  sächsischen  Waffen  raubte  der  liefländischen  Ritterschaft
  vollends  ollen  Muth.  Zwar  hatten  die  Sachsen  sich
der  sogenannten  Koberschanze,  zur  linken  Seite  der  Düno,
bemächtigt  und  dadurch  die  Einnahme  von  Niga  leicht  bewerkstelligen
  zu  konnen  gehofft.  Aber  Riga  widerstand  unter
  seinem  tapfern  Befehlöhaber  Dahlberg  so  nachdrücklich,
daß  die  Sachsen,  erst  nach  Ersturmung  der  Dönamöünder
Schanze  es  nur  einschließen,  aber,  bei  ihrer  Schwäche,  keine
formliche  Belagerung  anfangen  konnten.  Als  aber  schwedi-1700

