358  Friedrich  August  1.

sche  Hilfstruppen  sich  der  Stadt  naͤherten,  mußten  sich  die
Sachsen  eilig  zuruͤckziehen.

Eben  so  wenig,  als  der  lieflaͤndische  Adel,  rechtfertigte
die  Republik  Polen  August's  Erwartungen  und,  trotz  der
vielfältigen  Versuche  des  Koͤnigs,  lehnte  sie  alle  Vorstellungen,
  sie  zu  einer  Kriegserklärung  zu  bewegen,  mit  der  Erklärung
  ab,  die  Berathung  in  dieser  Angelegenheit  einem
allgemeinen  Reichstage  zu  Überlassen.  Mit  Aufbietung  aller
Kräfte,  brachte  August  eine  Armee  von  20,000  sächsischen
Truppen  zusammen  und  unternahm  mit  derselben  in  eigner
Person  (August  1700)  einen  Anzriff  auf  Riga.  Aber  hier
ereilte  ihn  die  entmuthigende  Nachricht  von  Däánemark's
Friedensschlusse  mit  Schweden.  Sein  einziger,  ihm  gebliebener
  Bundesgenosse,  der  Zaar,  ließ  auch  peinlich  auf  sich
warten,  und  so  war  August  schon  ziemlich  geneigt,  unter
Vermittelung  Frankreich's,  auf  einen  Frieden  zu  denken
(den  er  damals  noch  unter  bedeutend  billigern  Bedingungen
erlangt  haben  würde,  als  später),  als  plötzlich  die  Kriegserklärung
  des  Zaar's  an  Schweden  ihn  auf  andere  Gedanken
  brachte  und  ihn  bewog,  die  Friedensunterhandlungen
wieder  abzubrechen  und  sich  der  Festung  Klockenhausen  zu
bemächtigen,  um  sich  in  Communication  mit  den  Russen  zu
seen.  Aber  das  Glück  der  schwedischen  Waffen  gab  dem
Feldzuge  eine  abermalige,  für  August  verderbliche  Wendung.
Die  Russen  hatten  sich  an  die  Belagerung  von  Narwa  gemacht,
  aber  schon  hier  erlitten  sie  durch  die  ungestüme  Tapferkeit
  Carl's  XII.  und  seiner  Soldaten,  die  der  Anzahl
nach  den  Russen  bei  weitem  nachstanden,  eine  so  schwere
Niederlage,  daß  ihnen  für  den  Augenblick  vollig  Muth  und
Kraft  benommen  waren,  um  noch  etwas  Namhaftes  wagen
zu  können.  Zwar  befestigten,  trotz  dieses  Unfalles,  August
und  der  Zaar  zu  Birsen  ihr  Bündniß  noch  mehr,  aber  vergebens
  schrieb  Ersterer  einen  polnischen  Neichslag  aus;  die
Reichsstände  dußerten  vielmehr  den  dringenden  Wunsch  nach
Frieden  und  baten  ihn,  seine  sächsischen  Truppen  aus  Polen
  hinwegzuziehen,  obgleich  dieselben  zu  dieser  Zeit  dort  ndOthiger
  waren,  als  jemals,  indem  Carl  XII.  bereits  die  ernst-