Friedrich  August  I.  561

im  Stiche,  wie  alle  früheren  Hoffnungen,  die  er  auf  den
Beistand  der  Polen  gesetzt  hatte;  daher  Patkul  über  den  damaligen
  Verlauf  der  Dinge  sehr  richtig  bemerkte:  von  den
Polen  sey  außer  Worten  nichts  zu  hoffen.  Die  Sache  August's
  war  schon  so  tief  gesunken,  daß  der  Palatin  von  Posen,
  Stanislaus  Lesczinsky,  ohne  sich  zu  scheuen,  eine  foͤrmliche
  Confoͤderation  der  schwedischgesinnten  Woiwodschaften
organisiren  durfte,  die  immer  groͤßeren  Anhang  bekam.  Der
Cardinal-Primas  wagte  sogar,  eine  Versammlung  des  polnischen
  Adels  den  20.  Januar  1704  nach  Warschau  auszuschreiben,
  auf  welcher  die  schwedischen  Abgeordneten  ohne
Weiteres  auf  Entihronung  des  König's  August,  als  einzige
Moglichkeit  eines  Friedens  zwischen  Schweden  und  der  Republik,
  antrugen.  Die  polnische  Adelsversammlung  konnte  einen
  Antrag  leicht  gewähren,  welcher  von  ihrer  eignen  Anregung
  aueging,  und  so  wurde  August  in  einem  sogenannten
  Conföderationsinstrumente  des  polnischen  Thrones  für
verlustig  erklärt.  Es  konnte,  unter  diesen  Umstaänden,  freilich
  nicht  viel  fruchten,  daß  August  durch  einen  zu  Cracau
—  welches  wieder  in  seiner  Hand  war  —  gehaltenen  Reichsrath
  alle  Beschlüsse  des  Warschauer  Conventes  für  ungültig
erklärte,  und  noch  weniger  fruchtete  das  Abmahnungsschreiben,
  welches  der  Zaar  an  die  Confoderirten  erließ,  da  man
es  unter  sächsischem  Einfluß  entstanden  wußte.  Willkommener
  mochte  es  dem  Kenige  seyn,  daß  der  Zaar,  in  einem
durch  Patkul  abgeschlossenen  Tractate,  ihm  12,000  Mann
Infanterie,  die  zu  der  sächsischen  Armee  stoßen  sollten,  und
300,000  Rubel  zusagte.  Auch  die  Republik  ging,  durch
den  Woiwoden  von  Culm,  einen  Tractat  mit  dem  Zaar  ein
und  versprach  21,800  Mann  Reiter  und  26,200  Mann  Fußvolk
  zu  stellen.  August  benahm  sich  ziemlich  thätig.  So
ließ  er  den  Prinzen  Jacob  Sobiesky,  einen  durch  Geburt,
Ansehen  und  Einfluß  ausgezeichneten  Polen  —  den  Carl  XII.
selbst  als  den  würdigsten  Nachfolger  auf  dem  polnischen
Throne  empfolen  haben  soll,  der  aber,  nach  Patkul's  Berichte,
  von  seinem  eignen  Beichtiger  vorgebabten  Meuchelmordes
  bezüchtigt  wurde  —  auf  seiner  Reise  von  Olau  nach

1701