364  Friedrich  August  I.

haften  Opfern,  zu  einem  Frieden  zu  bewegen;  aber  die  Untechandlungen
  scheiterten,  wie  immer,  an  Carl's  Härte;  Patkul,
  dem  August  selbst  seine  Meinung  über  den  Zustand
der  Dinge  und  über  eine  mogliche  Rettung  Sachsens  abverlangt
  hatte,  gab  dieselbe  schriftlich  von  sich,  jedoch  nicht
ohne  eine  freimüthige  Schilderung  der  hoffnungslosen,  ja
verzweifelten  Lage  Sachsens  hinzuzufügen,  welche  Zugabe
aber,  verbunden  mit  anderen  Umständen,  ihm  die  Ungnade
August's  zuzog.  Wenigstens  wurde  Patkul  in  der  Nacht
vom  19  —  20.  Deecbr.  auf  Befehl  des  geheimen  Conciliums
sesigenommen  und  auf  den  Sonnenstein,  von  hier  aber  auf
den  Königstein  abgeführt.  Zufolge  August's  Erklärung,  sollte
Patkul  in  geheimen  Unterhandlungen  mit  dem  österreichischen
Gesandten  gestanden  haben,  nach  welcher  er  die  in  Sachsen
stehenden  russischen  Truppen  dem  Kaiser  zur  Verfügung  stellen
  wollte.  Auch  wurde  Patkul  beschuldigt,  daß  er  an  einem
  Particularfrieden  zwischen  dem  Zaar  und  Carl  XII.  gearbeitet
  und  mit  Letzterem  einen  gefährlichen  Vriefwechsel
unterhalten  habe,  was  bei  seinem  vielfach  bekundeten  Hasse
gegen  denselben  durchaus  nicht  glaublich  erscheint.  Anfänglich
  erklärte  sich  der  russische  Hof  über  diese  Verhaftung  seines
  Dieners  mißbilligend,  doch  schien  der  Zaar  zufolge  eines
  Schreibens,  spaͤter  mit  diesem  Schritte  einverstanden.
Freilich  hatte  Patkul  in  seinem,  ihm  abverlangten  Bedenken
  5)  dem  Könige  von  der  entsetzlichen  Lage  Sachsens  mehr
erzchlt,  als  dieser  hatte  wissen  wollen,  der,  von  Maltressen
und  Schmarotzern  umgeben,  das  Gehoͤr  für  freimüthige
Wahrheit  verloren  hatte  und  am  allerwenigsten  sie  so  laut
ausgesprochen  vertragen  konnte,  wie  Patkul  in  seinem  Bedenken
  dies  gethan.

Indessen  konnte  die  Verpdnung  einer  wahrhaften  Angabe
  von  Sachsens  verzweiflungsvoller  Lage,  dlese  Lage
doch  nicht  verbessern.  August  hatte  schon  früher  zu  Grodno
eine  persènliche  Zusammenkunft  mit  dem  Zaar  gehabt  und
6)  Es  führte  den  Titel:  „PHolitische  Offenbarung  oder  geringfügiges

  Bedenken  von  schwedischer  Invasson  in  Sachsen.“