Friedrich  August  J.  365

es  war  von  ihnen  beschlossen  worden,  dem  schwedischen  General
  Rhenschild,  waͤhrend  Schulenburg  ihn  angreifen  solle,
in  den  Ruͤcken  zu  fallen.  Dieser  Plan  mißlang  jedoch  gaͤnzlich.
  Schulenburg  ließ  sich  bei  Fraustadt  an  der  polnischschlesischen
  Graͤnze  zu  einem  uͤbereilten  Angriffe  verleiten  und
so  wurde  er,  trotz  seines  der  Zahl  nach  überlegenen  Heeres
—  es  bestand  aus  ohngefähr  20,000  Mann,  unter  denen,
ausser  Sachsen  und  Russen,  freilich  auch  viele  Ausländer
und  Ausreisser  —  am  14.  Febr.  1706  mit  aufserordentlichem
Verluste  gänzlich  geschlagen.  Diesem  schweren  Unfalle  sollte
nur  zu  schnell  der  Hauptschlag  folgen.  Carl  XII.  brach
durch  Schlesien,  ohne  hierzu  erst  die  Erlaubniß  des  Kaisers
abzuwarten,  geradesweges  nach  Sachsen  auf.  Seine  Ankunft
  —  noch  vom  dreißigjährigen  Kriege  her  klang  der  Name:
Schwede,  furchtbar  in  den  Ohren  des  Landmanns  und  des
Börgers  —  versetzte  die  Einwohner  Sachsens  in  Furcht  und
Schrecken.  Carl  suchte  sie  durch  ein  Manifest  zu  beruhigen,
welches  ihnen  Sicherheit  ihrer  Person  und  ihres  Eigenthums
versprach,  und  ging  durch  die  Lausitz  und  Meissen  auf  Leipzig
  los,  welches  sich  ohne  Widerstand  ergab,  während  der,
aus  sächsischen  in  schwedische  Dienste  übergegangene  Obrist
Goͤrz  bei  Bautzen  und  sodann  in  Thüringen  zwei  sächsische
Corps  versprengte.  Carl  XlI.  verlegte  im  September  sein
Hauptquartier  von  Leipzig  nach  Altranstädt,  ein  Ort,  der
von  Carls  großem  Ahnen,  Gustav  Adolf  her,  den  Schweden
heilig  geworden  war.  —  Freilich  galt  der  diesmalige  Krieg
profaneren  Zwecken!

Der  Einfall  der  Schweden  in  August's  Erblande  war  für
diesen  ein  furchtbarer  Schlag.  Er  hatte  jetzt  beinahe  um
jede  Bedingung  Frieden  schliessen  mögen,  allein  er  durfte  die
Verhandlungen  nur  ganz  im  Stillen  betreiben,  indem  er  selbst
sich  unter  scharfer  Aufsicht  seines  Bundesgenossen,  des  rufsischen
  Hofes  befand,  dem  er  nur  von  Unterhandlungen  in
Hinsicht  auf  Kriegssteuern  und  Brandschatzungen,  keinesweges
  aber  von  Friedensverhandlungen  mit  Schweden,  vorsprechen
  durfte.  So  von  doppeltem  Zwange  bedroht,  sendete
August  seinen  geheimen  Rath  von  Imhof  und  den  geheimen

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