366  Friedrich  August  1.

Referendar  Pfingsten  mit  ausgebreiteten  Vollmachten  nach
Sachsen;  sie  trafen  im  September  zu  Bischofswerda  mit
den  schwedischen  Bevollmächtigten,  dem  Grafen  Piper  und
dem  Staatssecretair  Hermelin  zusammen.  Oie  sächsischen
Abgeordneten  mußten,  nachdem  sie  in  ihren  Erbierungen
immer  höher  gestiegen  waren,  zuletzt  (24.  Septbr.)  den
harten  Frieden  von  Altranstädt  unterzeichnen.  Vielleicht  würden
  sie  noch  länger  mit  dem  Abschlusse  gezôögert  haben,  wenn
man  ihnen  nicht  von  einem  zwischen  Rußland  und  Schweden
  verhandelten  Particularfrieden  vorgesprochen  hätte.

Die  Friedensbedingungen,  die  der  König  von  Schweden,
mit  allem  Uebermuthe  der  siegenden  Partei,  vorgeschrieben
hatte,  bestanden  wesentlich  in  folgenden:  der  Koͤnig  August
verzichtet  für  sich  und  seine  Nachkommen  auf  Polen  und  Lithauen,
  behält  aber  den  Titel  eines  Königs  auf  Lebenzzeit,
erkennt  den  König  Stanislaus  an  und  gestattet  demselben
das  Recht,  die  bioher  von  ihm  vergebenen  Aemter  mit  anderen
  Personen  zu  besetzen,  giebt  alle  frühere  Bündnisse,  besonders
  mit  dem  Zaar  von  Rußland  auf;  erklärt  die  Ungültigkeit
  der  in  Polen  für  ihn  errichteten  Confoderationen
und  Reichsschlüsse,  giebt  die  gefangenen  polnischen  Prinzen
Jacob  und  Constantin?)  frei,  liefert  die  schwedischen  leberläufer
  und  Verräther,  namentlich  den  Johann  Reinhold  Patkul,
  aus,  gestattet  den  Schweden  Winterquartiere  und  Erhebung
  ihres  Soldes  und  Unterhalts  in  Sachsen,  übergibt
alle  noch  von  sächsischen  Truppen  besetzten  polnischen  Plätze
mit  Geschütz  und  Kriegsapparat  an  Stanislaus.  Beide
Contrahenten  machen  sich  verbindlich,  die  evangelische  Nelizion
  im  ganzen  romischen  Reiche  beschützen  zu  wollen,  und
König  August  verspricht,  weder  in  Sachsen  noch  in  der  Lausitz
  eine  Veränderung  in  der  evangelischen  Religion  vorzunehmen,
  noch  den  Katholiken  zu  erlauben,  Kirchen,  Schulen,
  Academien,  Collegien  und  Klöster  zu  erbauen.  Dagegen
  wird  dem  Kdnige  August  von  dem  Konige  von  Schwe-—.—



)  Als  Jatob  Sobiesey  von  sächsischen  Offfzieren  ausgehoben  wurde,
war  ihm  sein  Bruder  Constantin  freiwillig  in  die  Haft  gefolgt.