Friedrich  August  I.  367

den  und  dem  Koͤnige  von  Polen  (Stanislaus)  gegen  den
Zaar  und  gegen  jeden  Andern,  der  ihn  wegen  dieses  Friedenöschlusses
  angreift,  Beistand  gcleistet.  Die  üblichen  formellen
  Ausdrücke  und  Redensarten  von  ewigem  Frieden  und
fortdauernder  Freundschaft  —  einc  von  sächsischer  Seite  allzu
theuer  bezahlte  —  fehlten  natürlich  nicht,  konnten  aber  doch
den  bittern  Kern  dieses  vielfordernden  Friedensinstrumentes
nicht  versüßen.

Pfingsten  wurde,  wegen  der  Ratification  dieses  Vertrages,
  nach  Petrikow  zu  August  gesendet.  Als  er  aber  demselben
  die  Bestürzung  über  den  Inhalt  des  Friedens  ansah,
hatte  er  nicht  den  Muth,  ihm  den  volligen  Abschluß  zu  melden,
  sondern  war  aus  Verzagtheit  unüberlegt  genug,  den
Konig  auf  annehmbarere  Bedingungen  zu  vertrösten,  die  er
bei  seiner  Ankunft  in  Sachsen  zu  erlangen  gedenke.  So
reiste  er  dorthin  zurück  und  hatte  die  Verwegenheit,  die  Ratifiration
  des  Friedens  auf  ein,  schon  früher  vom  Kdnige  und
von  dem  Großmarschall  v.  Pflugk  unterzeichnetes  Blanquet  zu
schreiben.  Diese,  freilich  nicht  aus  bösem  Willen,  wohl
aber  aus  verblendeter  Furcht  begangene  Täuschung  zog  ihm,
nach  über  ihm  verhängten  Prozesse,  das  Todesurtheil  zu,
welches  aber  August  selbst  in  ewiges  Gefängniß  milderte.
Auch  Imhof,  obschon  dieser  seine  Vollmacht  nicht  eigentlich
überschritten,  mußte  die  böse  Laune,  welche  der  Altranstädter
  Friede  seinem  Herrn  verursachte,  bußen  und  ward  zu
ewigem  Gefängniß  verurtheilt,  erhielt  aber  später  seine  Freibeit
  wieder  und  wendete  sich  nach  Wolfenbüttel.

August  war  so  niedergeschlagen,  daß  er  es  nicht  gleich
über  sich  gewann,  den  Friedensschluß  bekannt  zu  machen,
sondern  ihn  eine  Zeit  lang  sogar  noch  hartnäckig  ldugnete.
Die  Russen  —  welche  wirklich  nichts  von  diesem  Schritte
wußten,  oder  sich  wenigstens  den  Schein  gaben  —  nöthigten
  ihn  daher,  nach  bereits  erfolgter  Ratification  des  Friedens,
  mit  seinen  bei  den  Russen  stehenden  Truppen  den
schwedischen  General  Mardefeld  angreifen  zu  helfen,  der,  obgleich
  August  ihm  heimliche  Nachricht  geben  ließ,  doch  gegen
den  überlegenen  Feind  eine  Schlacht  wagte,  gänzlich  geschla-