368  Erledrich  August  I.

gen  und  nebst  2000  Schweden  gefangen  genommen  wurde.
Carl  nahm  dies  so  übel  auf,  daß  er  beinahe  den  Frieden
rückgängig  gemacht  hätte,  und  August  hatte  Noth,  sich  mit
der  dussersten  Nothwendigkeit  zu  entschuldigen,  wobei  er  sich
zugleich  zu  Schadenersatz  erbot.  Erst  am  6.  November,  nachdem
  vorher  nur  von  einem  zehnwochentlichen  Waffenstillstande
  öffentlich  die  Rede  gewesen  war,  wurde  der  Friede
selbst  bekannt  gemacht.

Am  8.  April  1707  mußte  August  auch  die  schimpfliche
Bedingung  erfällen,  seinen  einstigen  Freund  Patkul  dem  racheschnaubenden
  Carl  XII.  auszuliesern.  Er  hatte  sich  vergebens
  von  dieser  Bedingung  zu  befreicn  gesucht,  und  Patkul
  häátte  früher  schon  zu  entfliehen  Gelegenheit  gehabt,  wenn
er  nicht  trotzig  auf  weitere  Untersuchung  seiner  Sache  bestanden
  hätte.  Die  Rache,  welche  Carl  an  dem  schwerverrathenen
  Patkul  nahm,  war  unmenschlich  und  schändet  sein  Andenken.
  Der  Unglückliche  wurde  zu  Casimir,  acht  Meilen
von  Posen,  von  den  Schweden  erst  gerädert  und  dann  geviertheilt,
  und  diese  gräßliche  Hinrichtung  obendrein  durch
eine  so  stämperhafte  Henkershand  vollzogen,  daß  die  fürchterliche
  Qual  des  Schlachtopfers  noch  den  Witz  ihrer  Erfinder
  überstieg.  —  Welche  untilgbare  Flecken  hängen  sich  doch
an  jede  bloße  Soldatengröße,  wenn  nicht  Menschengröße  sie
adelt,  und  wie  unbefriedigend  ist  daher  auch  Carls  XII.  innerer
  Werth  *),  ausserhalb  des  Schlachtfeldes  und  des
Kriegsgetümmels!

Wider  Erwarten  hielten  die  Schweden,  wenigstens  im
Anfange,  gute  Mannszucht  in  Sachsen;  Carl  XII.  felbst
sah  ernstlich  darauf  und  seine  Tcuppen  mußten  sogar,  mit
Ausnahme  der  Fourage,  ihre  Bedürfnisse  baar  bezahlen.

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*)  Ein  unedler  Zug  im  Charakter  Carl's  XII.,  war  auch  seine  unzarte,
  und  obendrein  zwecklose  Forderung:  daß  der  gebeugte  August
  dem  Könige  Stanislaus  schriftlich  zu  seiner  Thronbesteigung
Glück  wünschen  mußte.  August  erfüllte  diese,  mehr  den  Sieger,
als  den  Besiegten  schändende  Bedingung  nicht  ohne  Würde  und
wünschte  dem  neuen  Könige  getreuere  Unterthanen,  als  er  besessen.