Friebrich  August  I.  373

ten  nicht  weiter  Anstand  nahmen,  in  die  schwedisch  -beutschen
Provinzen  einzufallen.  Crassau  hatte  Lust  bezeigt,  von  Pommern
  aus  in  Polen  einzubrechen;  daher  rückten,  um  ihm
zuvorzukommen,  die  nordischen  Verböndeten  in  Pommern
ein,  nachdem  Churfürst  August  ein  Manifest  hatte  vorausgehen
  lassen,  welches  erklärte,  daß  dieser  Zug  nicht  gegen
Carl's  Länder,  sondern  nur  gegen  dessen  Truppen  in  Pommern
  gerichtet  sey,  welche  Polen  auf's  neue  zu  beunruhigen
drohten.  Wiemar  ward  von  den  Dänen,  Stralsund  von
den  sämmtlichen  Verbündeten  —  unter  ihnen  der  Churfürst
mit  20,000  Mann  —  belagert.  Als  aber  beide  Festungen
von  Karlskrona  aus  bedeutende  Verstärkung  erhielten,  waren
die  Verbündeten  (Januar  1712.)  gendthigt,  die  Belagerung  1712
oon  Wiszmar  aufzugeben  und  die  von  Stralsund  in  eine
bloße  Sperrung  zu  verwandeln.  Die  Ankunft  des  schwedischen
  Feldmarschalls  Steenbock  und  seiner  10,000  Mann  in
Pommern,  veranlaßte  die  Verbündeten,  sich  gänzlich  von
Stralsund  wegzuziehen.  Der  Krieg  spielte  sich  nunmehr  nach
Meklenburg  hinüber,  und  beide  Armcen  standen  sich  bereits
nahe  gegenüber,  als  der  intriguenreiche  sächsische  Feldmarschall
  Flemming  einen  Waffenstillstand  auf  14  Tage  mit  den
Schweden  schloß.  Die  Ursache  dieses  unerwarteten  Schrittes
  lag  in  den  geheimen  Friedensunterhandlungen,  welche
der  Berliner  Hof  zwischen  Sachsen  und  Schweden  angezettelt
  hatte,  und  nach  welchen  Stanislaus  die  polnische  Krone
an  August  überlassen,  die  sächsischen  und  schwedischen  Truppen
  aber  sich  mit  einander  vereinigen  sollten,  um  gemeinschaftlich
  der  immer  steigenden  Macht  des  russischen  Zaars,
gegen  welche  August  seine  Eifersucht  nicht  unterdrücken  konnte,
  Grenzen  zu  setzen.  Von  August's  Seite  freilich  eine
ziemlich  unehrliche  Verhandlung,  die  jedoch  fruchtlos  bleiben
sollte,  da  der  hartnäckige  Carl,  trotz  seiner  keinsweges  behaglichen
  Lage,  von  Bender  aus  seine  Einwilligung  zu  diesem
  Vertrage  versagte.  Die  Dänen  hatten  auch  an  dem
Waffenstillstande  keinen  Antheil  genommen,  erlitten  (Decbr.
1712.)  bei  Gadebusch  durch  Steenbock  eine  vollständige  Niederlage,
  die  dem  Sieger  jedoch  keine  besondern  Früchte  brach-