376  Friedrich  August  J.

August's  —  sich  einer  Fehde  gegen  Carl,  deren  Recht
oder  Unrecht  ein  Anderer  (naͤmlich  Preussen)  zu  vertreten
hatte,  anzuschließen  —  nicht  eben  verdammenswerth
finden.  Wie  dem  auch  sey,  so  wurde  er  für  seine  thätige
Mitwirkung,  von  Preussen  unter  allen  Begriffen  niedrig
belohnt.

Ueblere  Aussichten  erdffneten  sich  für  August  durch  die
zweideutigen  Gesinnungen  des  russischen  Zaars,  welcher,  nicht
eben  zu  Gunsten  August's,  in  geheime  Friedensunterhandlungen
  mit  dem  Könige  von  Schweden  zu  treten  begann  und
fuͤr  das  schon  so  gequälte  Sachsen  neue  Besorgnisse  aufsteigen
  ließ.  Die  verhängnißvolle  Kugel,  welche  am  11.  Decbr.

1718  1718  in  den  Laufgräben  vor  Friedrichshall  Carl's  XII.  unruhigen
  Kopf  durchbohrte  und  seinem  Leben  ein  so  gewaltsam
  schnelles  Ende  machte,  brach  auch  diese  Projecte  ab
und  nahm  aus  August's  Laufbahn  das  größte  Hemmniß
hinweg,  gegen  welches  die  Halbkraft  dieses  Fürsten  immer
vergebens  gerungen  haben  würde.  Aber  auch  die  Welt  überhaupt
  durfte  Carl's  blutigen  Untergang  nicht  beklagen.  Durch
eine  ungezähmte,  von  keiner  höhern  menschlichen  Empfin—
dung,  als  der  rauhen  Lust  am  Kriege,  beherrschte  Kraft  einmal
  aus  den  natürlichen  Schranken  gerissen,  zerrte  er  sich
selbst  in  planloser  Irre  umher.  Sein  trobiges  Ausharren
im  Kampfe  ohne  Aussicht  bessern  Erfolges,  zeugt  weniger
von  der  Beharrlichkeit  cines  Helden,  als  von  der  tollen
Hartnäckigkeit  eines  Schlägers,  der  lieber  das  ihm  Gebliebene
  zertrümmert,  als  das  bereits  Verlorene  aufgiebt.  Daß
er  —  bei  besserm  Uebergewichte  der  regolnden  Vernunft  vor
der  rohen  Kraft  —  eben  so  wichtig  und  segenreich  auf  seine
Zeit  hätte  einwirken  können,  als  er  Andern,  vor  allen  aber
sich  selbst  verderblich  zu  werden  den  Muth  besaß,  darf  Niemand
  bestreiten.  Besonders  wäre  er  der  Mann  gewesen,
über  dem  Gleichgewicht  von  Europa  zu  wachen,  welches  auf
einer  Seite  Rußland's  wachsende  Macht  und  die  Klugheit
seines  Zaars,  auf  der  andern  Preussens  Habgier  zu  erschüttern
  drohten.  Ueber  seinen  Tod,  wie  über  den  seines  großen
  Ahnherrn,  Gustav  Adolf,  schwebt  noch  immer  ein  ge-