378  Friedrich  August  I.

nen  förmlichen  Bund  stifteten.  Die  Annäherung  der  Russen
machte  zwar  diesem  Aufstande  für  den  Augenblick  ein  Ende;
aber  bei  einer  Abwesenheit  des  Konigs  erneuerten  sich  diese
Unruhen  mit  verdoppelter  Kraft,  und  zu  Tarnogtod  bildete
sich  eine  Conföderation,  welchem  die  Kronarmee  zuerst  beitrat.
  Die  Folge  davon  war  ein  innerer  Krieg  zwischen
Polen  und  Sachsen.  Die  Sachsen  wurden  überall  heftig
angegriffen  und  trotz  der  tapfern  Gegenwehr,  die  sie  zeigten,
kamen  sie  doch  nicht  ohne  starke  Verluste  weg  und  der  Feldmarschall
  Flemming,  welcher  sie  commandirte,  hatte  einen
schweren  Stand.  Die  Friedensverhandlungen,  welche  im
1716  folgenden  Jahre  eingegangen  wurden,  kamen  nicht  wirklich
zu  Stande,  und  die  Verschwdrungen  breiteten  sich  immer
weiter  aus.  Die  Polen  führten  den  Krieg  nicht  nur  mit  Erbitterung,
  sondern  mit  Wuth  und  Grausamkeit,  und  August
würde  immer  mehr  in's  Gedränge  gerathen  seyn,  wenn
nicht  die  Russen  sich  ernsthaft  seiner  Sache  anzunehmen
Miene  gemacht  hätten.  Bei  Kovalew  wurden  die  Confdoderirten
  von  den  Sachsen  geschlagen,  und  hierdurch,  wie  auch
durch  die  russische  Vermittelung,  kamen  die  Friedensverhandlungen
  auf  einer  Conferenz  zu  Warschau  endlich  zu  einem
Erfolge.  Nicht  ohne  Umstände  ertheilten  die  Confdderirten
dem  Vertrage  doch  zuletzt  die  Ratificatson,  wonach  Konig
August  seine  sämmtlichen  sächsischen  Truppen  aus  Polen  wegnehmen
  und  nur  eine  Leibgarde  von  1200  Mann,  gleichviel
  aus  welchen  Landsleuten,  behalten,  allen  bisherigen  Conföderationen
  ein  Ende  gemacht  seyn  und  allgemeine  Amnestie
  walten  sollte.  Daß,  ohngeachtet  der  auf  solche  Weise
vorlaͤufig  wiederhergestellten  Ruhe,  der  Zaar  gleichwohl  noch
zwei  Jahre  hindurch  eine  russische  Armee  in  Polen  stehen
ließ,  war  dem  König  August  freilich  eine  unbequeme  Vorsicht
  und  vermehrte  das  Mißtrauen,  welches  er  überhaupt
in  den  Zaar  setzte,  der  augenscheinlich  in  den  polnischen  Häydeln
  sich  einen  wesentlichen  Einfluß  zu  gründen  strebte.  Die
nordischen  Alliirten  hatten  einander  freilich  nie  mit  besonderer
  Ehrlichkeit,  geschweige  denn  mit  Uncigennützigkeit  gedient,
Jeder  war  schon  so  oft  bereit  gewesen,  sich  auf  die  Seite