Friedrich  August  I.  379

des  gemeinschaftlichen  Feindes  zu  schlagen  und  seine  Bundesgenossen
  demüthigen  zu  helfen;  daher  war  es  nicht  zum
Verwundern,  wenn  Jeder  aus  seiner  eignen  zweideutigen
Treue  auch  auf  die  ähnliche  seines  Verbündeten  schloß  und
Keiner  dem  Andern  traute,  eben  so  wenig  als  er  ihm  mit
Aufrichtigkeit  anhing.  —

Daß  bei  den  ungeheuren  Kosten,  welche  die  vielen  Kämpfe
um  die  Krone  Polens  nöthig  machten,  wie  auch  durch  August's
Prachtliebe  und  Aufwand,  die  Steuern  und  Abgaben  nicht
eben  vermindert  wurden,  sondern,  trotz  dem  ausgesaugten
Zustande  des  Landes,  noch  manchen  Zuwachs  erhielten,  war
nicht  zu  verwundern.  Dagegen  mußte  man  der  Regierung
das  Lob  zugestehen,  daß  sie  den  gesunkenen  Wohlstand  des
Landes  auf  mancherlei  Weise  wieder  zu  befördern  und  ihm
aufzubelfen  suchte.  Ein  dusserst  zweckmäßiges  Verfahren  war
es,  daß  die  Regierung  damals  die  inländischen  Manufacturen
  dadurch  zu  unterstützen  suchte,  daß  sie  selbst  zum  Absatze
  der  Fabricate  derselben  nach  Moglichkeit  beitrug,  nicht
aber  etwa  allgemeine  Bedürfnisse  aus  fremden  Ländern  bezog;
  daß  sie  ferner  ihnen  den  Einkauf  der  Materialien  erleichterte,
  indem  sie  verbot,  dieselben  ausser  Landes  zu  führen,
  und  durch  Aufnahme  fremder  geschickter  Fabricanten  die
inländischen  anzuspornen  und  zu  bilden  suchte.  Zu  Leipzig
wurden  von  ausgewanderten  Franzosen  Sammet=  und  Seidenmanufacturen
  angelegt  und  von  einigen  einheimischen  Familien,
  auf  den  Grund  früherer  Anlagen,  Gold=  und  Silberfabriken
  errichtet,  welche  durch  mehrfache  landesherrliche
Privilegien  unterstützt  wurden.  Zu  der  wichtigsten  und  für
Sachsen  segensvollsten  Fabrik  gab  die  Erfindung  des  dortigen
  Porcellans  Veranlassung.  Schon  durch  den  erfinderischen
Tzschirnhausen,  welchem  die  ersten  drei  Glatzhütten  in  Sachsen
  ihre  Entstehung  verdankten  und  der  sich  besonders  durch
seine  Brennspiegel  ein  Verdienst  erworben  hatte,  war  eine
Art  von  Porcellan  zu  Stande  gebracht  worden,  das  jedoch,
besonders  weil  es  zu  spröde  und  glasartig  war,  nicht  die
gehörige  Anwendung  fand.  Die  eigentliche  Erfindung  war
dem  dadurch  so  berühmt  gewordenen  Johann  Friedrich  Bött-