380  Friebrich  August  I.

ger  vorbehalten.  Muthmaßlich  zu  Schleitz  um  das  Jahr
1682  geboren,  erlernte  er  in  Berlin  die  Apothekerkunst.  Ein
alchymistisches  Manuscript,  welches  ihm  durch  Zufall  in  die
Hände  siel,  brachte  ihn  auf  den  Gedanken  des  Goldmachens,
der  damals  so  viele  Köpfe  in  Gahrung  versetzte  und  zu  eben
so  vielen  bizarren  Versuchen,  als  Betrügereien  Veranlassung
gab.  Der  Ruf  der  Goldmacherel  hätte  ihn  beinahe  um  seine
vollige  Freiheit  gebracht  und  er  entfloh  noch  zu  rechter  Zeit
aus  Berlin  nach  Wittenberg,  wo  ihn  der  dortige  Commandant
dem  Hofe  empfahl.  Der  König  August,  der  mit  so  vieler  Fertigkeit
  (gemünztes)  Gold  zu  verarbeiten  verstand,  konnte  natürlich
  keinen  Menschen  besser  brauchen,  als  einen,  der  Gold
zu  machen  verstünde,  und  so  faßte  er  sogleich  ein  gewisses
scheues  Vertrauen  zu  Böttger.  Er  ließ  ihn  in  Dresden  unter
  trenger  Aufsicht  mehrerer  Vertrauten  Cunter  ihnen  auch
Tzschirnhausen)  seine  Versuche  anstellen.  So  ferderte  derselbe
  auch  wirklich,  freilich  nur  mittelbar,  Gold  zu  Tage,
namlich  durch  Erfindung  eines  braunrothen  Porcellanes,  welches
  schon  dem  Dschirnhausischen  an  Schönheit  und  Haltbarkeit
  uberlegen  war.  Größer  noch  war  die  Freude,  als  sich
nach  Aufflndung  der  Porcellanerde  zu  Aue  (1709)  eine  weiße
Masse  ergab.  Man  hätete  ihn  nunmehr,  als  einen  goldnen
Vogel,  mit  eben  so  viel  Anstand  als  Vorsscht;  auch  eilte
man  ihn  zu  baronisiren,  obschon  er  in  seinem  adeligen  Stande
keine,  derjenigen  ähnliche  Erfindung  weiter  machte,  die  ihm
im  bürgerlichen  Stande  gelungen  war.  Als  die  Schweden
in  Sachsen  einfielen,  versetzte  man  ihn  auf  den  Konigstein,
damst  er  dort  ungestört  und  unbelauscht  seine  Arbeiten  fortsezte.
  Aber  im  Jahre  1710  wurde  auf  der  Albrechtsburg
zu  Meißen  eine  förmliche  Fabrik  gegründet,  welche  Böttger
bis  zu  seinem  Tode  (1719)  leitete,  obschon  er  in  der  letzten
Zeit  —  wahrscheinlich  aus  Unmuth  über  seine  beschränkte
Freiheit  —  sie  sehr  vernachlässigte.

Zur  Beförderung  des  Handels  wurden  mancherlei,  zum
Theil  zweckmaßige  Schritte  gethan.  Mit  dem  Könige  von
Preussen  wurde  im  Jahr  1728  ein  Tractat  wegen  beidersei-