384  Friedrich  August  J.

zen  Leben  eine  verkehrte  Richtung.  Allerdings  mochte  der
Hof  Ludwig's  XIV.  —  welchem  Monarchen  der  Witz  nicht
mit  Unrecht  nachruͤhmte:  daß  er  Geist  genug  besitze,  um  aus
ihm  sechs  Schelme  und  nebenbei  einige  Dutzend  ehrlicher
Leute  zu  bilden  —  mit  seinen  Festen,  Abentheuern,  Intriguen
  und  Schönheiten  viel  Anziehendes  für  August's  jugendliche,
  uberhaupt  uppige  Einbildungskraft  gehabt  haben,  da
er  ihn  noch  als  Prinz  besuchte.  Dennoch  war  er  —  in  vielfacher
  Hinsicht  zu  seiner  Ehre  —  nicht  der  Mann,  um  mit
Ludwig  XIV.  nach  seiner  Weise  in  die  Schranken  zu  treten.
  Es  fehlte  August  keinesweges  an  Witz,  an  Feinheit
und  Lebhaftigkeit  des  Geistes  und  Rundung  der  Manieren;
aber  den  durchdringend  feinen,  imposant-ironischen  Geist  des
Franzosen,  dessen  scherzende  und  bezaubernde  Gewissenlosigkeit
  konnte  er  nicht  erschwingen.  Hierzu  hatte  August  doch
noch  zu  viel  deutsche  Geradheit  und  selbst  zu  viel  Gemuth,  obschon
  dasselbe  sich  mit  einer  tüchtigen  Anlage  zu  Despotismus
  vertragen  mußte.  So  kam  es,  daß  er  seine  gesuchte
Aehnlichkeit  mit  Ludwig  mehr  nur  auf  dusseren  Pomp  beschränken
  mußte.  Doch  war  ihm  hierin  Geschmack  und  finnige
  Wahl  nicht  abzusprechen,  und  sein  Witz  wußte  selbst
den  todten  Edelsteinen  und  Juwelen,  mit  denen  er  sich  gern
in  verschwenderischer  Ueberfülle  umgab,  Leben  und  Bedeutung
  einzuhauchen.  In  Crfindung  sinnreicher  Feste  und  Aufzüge
  that  es  ihm  Keiner  zuvor.  Aber  auch  herrliche  Gebäude
und  Lusischlösser,  noch  jetzt  die  Zierde  und  der  Stolz  unsers
Vaterlandes,  namentlich  der  Residenz,  stiegen  unter  seinen
Auspicien  empor.  Man  denke  nur  an  die  herrliche  Frauenkirche
  (nach  dem  Muster  der  Peterskirche  zu  Rom  erbaut  von
Bähr),  an  das  Prinzenhaus,  das  wegen  Baufüälligkeit  jetzt
nur  wenig  mehr  benutzte  große  Opernhaus,  das  Palais  im
großen  Garten,  besonders  aber  an  den,  in  einem  höchst  eigenthümlichen,
  theils  bizarren,  theils  großartigen  Geschmacke
erbaueten  Zwinger,  welcher  den  Vorhof  zu  einer  neuen  prachtvollen
  Winterresidenz,  die  jedoch  unerbaut  blieb,  bilden  sollte.
Das  schöne  japanische  Palais  in  der  Neustadt  —  vorher  Altdres-