Zriedrich  August  I.  38-beabsichtige,

  eine  Besorgniß,  die  freilich  August's  Erblanden
—  welche  unter  der  polnischen  Erwerbung  nur  Krieg  und
Nachtheil  erworben  hatten  —  mehr  zustand,  als  der  polnischen
  Nation.  August  hatte  in  diesem  Polen  einen  wirklichen
  Fcuerbrand  cingefangen;  die  steten  Reibungen,  welche
diese  launische,  eifersüchtige  und  argwöhnliche  Nation  veranlaßte,
  ließen  ihn  nie  zur  Ruhe  kommen,  und  nur  ein
nicht  immer  wohl  angebrachtes  Streben  nach  Glanz  konnte
ihn  veranlassen,  diese  Krone  so  krampfhaft  fest  zu  halten,
die  er  eigentlich  nie  so  recht  besaß,  sondern  gleichsam  nur
im  immerwährenden  Fluge  faßte.  Der  Argwohn,  mit  welchem
  die  Polen  jede  seiner  Einrichtungen  ansahen,  verursachte,
  daß  er  ihrem  Lande  auch  gar  nicht  wesentlich  nüten
konnte.  Er  mußte,  um  nicht  auf  einmal  mit  ihnen  zu  zerfallen,
  sich  sogar  zu  Schritten  bequemen,  welche  mit  seinen
Gefühlen  und  Empfindungen  oft  im  entschiedenen  Widerspruche
  standen.  Ein  grellcs  Beispiel  hiervon  lieferte  der
berüchtigte  Proceß  zu  Thorn.  Als  nämlich  am  16.  Juli
1724  daselbst  eine  katholische  Procession  stattfand,  vermaßen
  sich  einige  Jesuitenschüler,  die  Umstehenden  mit  einigem
Ungestüme  zum  Hutabnehmen  und  Niederknieen  zwingen  zu
wollen.  Darüber  kam  es  zu  Thärlichkeiten,  und  der  erhitzte
Pobel  stuͤrmte  und  verwüstete  das  Collegium  der  Jesuiten.
Diese  verklagten  sofort  den  dortigin  Magistrat,  daß  er,  aus
Gchässigkeit  gegen  den  Catholicismus,  diese  Sache  habe
leicht  hingehen  lassen,  und  August  mußte,  dem  fanatischen
polnischen  Reichstage  zu  Liebe,  die  Haupter  des  Magistrats
zum  Tode  verurtheilen,  auch  —  trotz  der  Vorbitten  der  Höfe
von  Wien,  Berlin  und  Petersburg,  ja  sogar  des  päpstlichen
Nuntius  —  diese  grausame  Strafe  an  neun  Personen  vollziehen
  lassen,  wie  gern  er  auch  milder  verfahren  wäre.  Ja
er  mußte,  weil  die  Polen  den  Kurländern  das  Wahlrecht
bestritten,  sogar  die  auf  dem  Reichstage  zu  Grodno  einstimmig
  erfolgte  Wahl  seines  natürlichen  Sohnes  Moritz,  zum
Nachfolger  Ferdinand's,  des  letzten  Herzegs  aus  dem  kettlerischen
  Stamme,  cassiren,  wje  sehr  er  auch  selbst  sie  gewünscht
  hatte.
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