388  Friedrich  August  I.

Der  Uebertritt  August's  zum  katholischen  Glauben  hatte
ihn  —  aus  Gründen,  die  wohl  für  einen  Jeden  nicht  schwer
zu  erklären  seyn  mochten  —  keinesweges  fanatisch  gestimmt.
Dennoch  zeigten  sich  von  da  an  häufige  Spaltungen  zwischen
  Protestanten  und  Katholiken,  welche  Letteren  vielleicht
durch  den  Uebertritt  ihres  Fürsten  ein  gewisses  Uebergewicht
gewonnen  zu  haben  glaubten.  Wie  dies  selbst  in  neuesier
Jeit  noch  so  beklagenswerth  geschehen  ist,  so  machten  auch
damals  manche  evangelische  Geistliche  ihrem  Unmuthe  auf
offener  Kanzel  Luft,  und  einer  derselben,  nämlich  der  Archidiacon
  an  der  Dreödner  Kreuzkirche,  M.  Hahn,  welcher  eine
große  Popularität  für  sich  hatte,  wendete  dieselbe  zu  heftigen
  Ausfällen  gegen  die  katholische  Religion  an.  Dies  veranlaßte
  einen,  früher  durch  Hahn  zur  evangelischen  Kirche
übergetretenen,  dann  aber  heimlich  wieder  katholisch  gewordenen
  Schloßtrabanten,  Franz  Laubler?),  den  kühnen  Prediger,
  der  auch  in  weltlicher  Hinsicht  sein  Wohlthäter  geworden
  war,  am  21.  Mai  1726  mit  sechs  Messerstichen  zu
ermorden.  Der  Bösewicht  hatte  auch  Nägel  bei  sich  gehabt,
um  sein  Opfer  förmlich  zu  kreuzigen,  wozu  ihm  jedoch  nicht
die  Zeit  blieb.  Diese  freche  Unthat  hatte  einen  Auflauf  des
Pöbels  zur  Folge,  der  nur  durch  eingerücktes  Milltair  und
durch  die  ausgesprochene  Versicherung,  daß  der  Mörder,
dessen  man  schnell  habhaft  geworden,  harter  Strafe  nicht
entgehen  werde.  Wirklich  wurde  derselbe  auf  offenem  Markte
gerädert  und  erlitt  seinen  gräßlichen  Tod  mit  fanatischer
Kaltblütigkeit.  Hahn's  Andenken  erhielt  sich,  als  das  eines
Glaubensmärtyrers,  lange  unter  dem  Volke,  und  noch  jetzt
findet  man  in  dem  Zimmer  mancher  frommen  Bürgermatrone
  die  Abbildung  der  blutigen  That.  Auch  das  Messer,
dessen  sich  der  Mörder  bediente,  und  die  Nägel,  womit  er
den  Gegenstand  seines  Hasses  kreuzigen  wollte,  sseht  man

*)  Durch  ein  Seßerversehen  hat  er  bei  Bôttiger  den  Namen:
Kaubler,  erhalten.