Friedrich  August  J.  389

hin  und  wieder  noch  getren  abconterfeit.  Die  Gruft,  in
welcher  der  Ermordete  unter  großem  Leidgepränge  beigesetzt
  wurde,  befindet  sich  auf  dem  Johanniskirchhofe  zu
Dresden.

Polen,  welches  für  Sachsen  das  Grab  so  vieler  Schätze
und  Geldsummen  geworden  war,  sollte  auch  August's  J.
Grab  werden.  Er  befand  sich  (1733.)  eben  in  Warschau,
um  einen  Reichstag  zu  halten,  als  ein  aͤlterer  Schaden  am
linken  Schenkel,  der  nie  ganz  hatte  heilen  wollen,  auf—
brach  und  in  Brand  uͤberging.  Dies  machte  seinem,  von
Pracht,  Genuͤßen,  Stuͤrmen  und  Abentheuern  bunt  durchkreuzten
  Leben  am  1.  Februar,  nachdem  er  wenige  Tage
zuvor  die  Reichsversammlung  eroͤffnet  hatte,  ein  Ende.  Im
folgenden  Jahre  wurde  sein  Leichnam  zu  Cracau  beigesetzt;
nach  Sachsen  kam  nur  sein  Herz  in  silberner  Kapsel.

Seine  Gemahlin,  Christiane  Eberhardine,  die  sich,  ihrer
  Irdmmigkeit  wegen,  den  Namen  der  „Betsäule  von
Sachsen“  (jedoch  durchaus  ohne  spöttische  Beimischung)
erworben  hatte,  war  ihm  schen  vor  mehrern  Jahren  im
Tode  vorangegangen.  Mehrfache,  den  Frieden  ihrer  Ehe
trübende  Verhältnisse  hatte  sie  anfangs  mit  Leidenschaftlichkeit
  wahrgenommen,  dann  aber  mit  stiller  Ergebung  ertragen.
  Doch  hatte  sie  sich  dadurch  bewogen  gefunden,  sich
von  ihrem  Gemahle,  wie  von  dem  Treiben  der  großen  Welt
mdglichst  zurückzuziehen,  daher  sie  sich  meist  zu  Torgau  oder
Pretsch  aufzuhalten  pflegte.  Nach  Polen  war  sie  nie  gekommen;
  sie  hatte  dieses  Land  aus  Ursachen,  welche  ihr
Leben  sehr  nahe  berührten,  und  wegen  sonstiger  mit  dessen
Erwerbung  verbundenen  Nachtheile  nicht  eben  lieben  gelernt,
und  war  ihm  durch  die  freilich  unerfüllt  gebliebene  Forderung
  der  Polen,  daß  auch  sie,  als  die  Gemahlin  des  Koͤnigs,
ihren  Glauben  ändern  sollte,  noch  fremder  geworden.  Sie
hatte  ihrem  Gemahle  einen  einzigen  Prinzen,  Friedrich  August
  II.,  geboren,  seinen  Nachfolger  in  der  Chur  und  wenig
  später  auch  auf  dem  polnischen  Throne.  Desto  mehr

1733