1731

396  Friedrich  August  II.

und  die  sächsische  Partei,  die  aus  funfzehn  Senatoren  und
ohngefähr  sechöhundert  Edelleuten  bestand,  wählte,  an  ihrer
Spitze  Lipsky,  der  Bischof  von  Cracau,  den  Churfürsten  unter
  dem  Namen  August  III.  zum  Könige  von  Polen.  Am
17.  Januar  des  folgenden  Jahres  fand  seine  seierliche  Krènung
  statt.

Der  Russische  Hof  ließ  sich  die  Sache  des  neuen  Polenkönigs
  sehr  angelegen  seyn.  Lascy,  welcher  seine  Armee
bis  auf  50,000  Mann  verstärkt  hatte  —  wovon  er  jedoch
einen  ansehnlichen  Theil  in  den  polnischen  Pcovinzen  zurückließ,
  um  diese  in  Nuhe  zu  erhalten  —  belagerte  Danzig,
welches  dem  Stanislaus  eine  Zuflucht  geboten  hatte.  Die
Stadt  hatte  eine  starke  Besatzung,  welche  sich  mit  Hinzurechnung
  der  bewaffneten  Bürger  auf  30,000  Mann  belief,
und  da  sie  auf  Entsatz  durch  französische  Truppen  hoffte,  so
leistete  sie  tapfern  Widerstand.  Da  aber  der  Cardinal  Fleury
wenig  für  Stanislaus  Wahl  stimmte  (obschon  dieser  der
Schwiegervater  seines  Königs  war)  so  sendete  er  nur  geringe
  Hilfe.  Die  Stadt  wurde  von  den  Russen,  zu  denen
noch  10,000  Sachsen  unter  dem  Herzog  von  Weißenfels  gestoßen
  waren,  beschossen,  Weichselmünde  crobert  und  die
Franzosen,  welche  die  russischen  Verschanzungen  angriffen,
zurückgeschlagen.  Danzig  mußte  sich  daher  ergeben,  neun
und  vierzig  polnische  Magnaten,  die  sich  darin  befanden,
unterwarfen  sich  nunmehr.  Der  Primas  Potocki  dagegen,
welcher  sich  auf  das  Hartnäckigste  weigerte,  dem  König  August
  den  Eid  der  Treue  zu  leisten,  ward  nebst  dem  franzöèsischen
  Gesandtcen,  Marquis  von  Monti,  gefangen  nach  Thorn
gebracht.  Noch  ehe  Danzig  capitulirt  hatte,  war  Stanis-=laus,
  in  der  Kleidung  eines  Bauern,  und  von  vielfachen
Gefahren  bedroht,  nach  Königsberg  entflohen  und  hatte  dort
preußischen  Schutz  gefunden.  Einzelne  Unruhen  und  Verschwörungen
  in  Polen  gegen  Kdnig  August  kamen  zu  keinem
wesentlichen  Ausbruch  und  blieben  ohne  Erfolg.  Der  König
suchte  durch  ein  Umlaufschreiben  die  ihm  feindliche  Partei
auf  andere  Gesinnungen  zu  bringen.  Dies  gelang  ihm  um
so  mehr,  da  die  Mißvergnügten  einzusehen  anfingen,  daß