398  Friedrich  August  1I.

Frrungen  verflocht,  die  nicht  unmittelbar  von  ihm  ausgingen,
  obschon  er  eines  Theils  als  ihr  Repräsentant  gelten
mußte.  Hieraus  entstanden  für  das  Land  Nachtheile,
welche  August  nach  seinem  bessern  Willen  gern  vermieden
haͤtte,  die  aber  doch  deshalb  nicht  minder  schmerzlich  waren.
In  den  ersten  Jahren  seiner  Regierung  —  hatte  sein  früherer
  Reisebegleiter  und  späterer  Cabinetsminister,  Fürst
Sulkowsky,  den  unumschränktesten  Einfluß  auf  ihn  ausgeübt
  und  die  Regierung  mit  ihrer  vollen  Gewalt  in  den
Händen  gehabt.  Aber  bald  begann  ein  Mann  von  gleichem
  Ehrgeize  und  größerer  Schlauhelt  auf  die  Stelle  des
unumschrankten  Günstlings  Jagd  zu  machen.  Dies  war
der  in  der  Geschichte  Sachsens  ziemlich  berüchtigte  Graf
Heinrich  von  Brühl.  Es  war  kein  kleines  Unternehmen,
den  in  der  Gunst  seines  Fürsten  und  in  den  Interessen
der  Landesverwaltung  so  festgewurzelten  Sulkowöly  zu
stürzen.  Allein  theils  wurde  er  hierin  von  der  Churfürstin
selbst,  die  sich  durch  Sulkowsky's  unumschränkte  Gewalt
über  ihren  Gemahl,  beleidigt  finden  mochte,  theils  durch
den  schlauen  Pater  Quarini  unterstützt.  Da  er  gleichwohl
den  Angriff  gegen  Sulkowsky  nicht  bei  dem  Churfürsten
selbst  zu  unternehmen  wagte,  so  ließ  er  den  Schlag  von
Oesterreich  her  kommen.  Er  verrieth  daher  dem  Wiener  Hofe
einen  Plan  Sulkowsky's,  nach  welchem  August  nach  Carls
VI.  Tode  Böhmen  an  sich  reißen  sollte.  Der  ehrlichere  Sulkowöky,
  der  zu  spät  hinter  das  Gewebe  seiner  Feinde  kam,
erlag  diesen  Anschlagen,  sah  sich  gendthigt,  den  Hof  zu  verlassen
  und  ging,  mit  Beibehaltung  der  bloßen  Generalswürde,
  nach  Polen  zurück.  Brühl  stieg  nunmehr  immer  höher,
und  da  er,  neben  den  neu  ihm  gewordenen  Aemtern,  immer
  auch  noch  die  alten  behielt,  so  vereinigten  sich  endlich
alle  hohe  Staatswürden  in  seiner  Person  und  er  gewann
nicht  nur  den  mächtigsten,  sondern  auch  den  allseitigsten  Einfluß.
  Im  Jahre  1746  wurde  er  oöffentlich  zum  Premier-Minister
  ernannt,  und  daß  er,  neben  der  Befriedigung  seines
  Ehrgeizes,  auch  seine  Säckel  zu  füllen  nicht  unterließ,
zeigte  der  mehr  als  fürstliche  Aufwand,  den  er  machte,  wie