Friedrich  August  II.  40

von  sächsischer  Seite  erklärt:  daß  die  pragmatische  Sanction
wegen  des  Widerspruches  der  meisten  andern  Mächte,  und
weil  Maria  Theresia  durch  Annahme  eines  Mitregenten,  ihres
  Gemahles  Franz  I.,  dieses  Erbfolgegesetz  selbst  verletzt
habe,  nicht  mehr  gültig  sey,  mithin  die  Erbfolge  der  Gemahlin
  des  Königs  von  Polen,  als  der  altesten  Tochter  von
Leopold's  I.  altestem  Sohne,  nunmehr  in  voller  Kraft  eintreten
  müsse.  Auch  suchte  August  seine  Verbindung  mit
Baiern  zu  nutzen,  um  von  demselben  die  ausdrückliche  Anerkennung
  seiner  von  Oesterreich  stets  verweigerten  Vicariatsgerichtsbarkeit
  über  Böhmen,  wie  auch  die  Abtretung  der
böhmischen  Lehnsherrlichkeit  über  die  gräflich  Reussischen
Besitzungen  zu  erhalten.  Zwar  konnte  er  sich  mit  Baiern
über  dessen  mit  Pfalz  gemeinsam  geübtes  Reichsvicariat  nicht
vereinigen;  dagegen  unterstützte  er  Carl  Albrecht  bei  dessen
Bewerbung  um  die  deutsche  Kaiserkrone  und  trug  auch
zur  diesmaligen  Ausschließung  der  böhmischen  Wahlstimme.
bei.  Beides  ging  durch,  und  am  24.  Jangar  1742  wurde
der  Churfürst  von  Baiern  wirklich,  als  Ca#  VII.,  zum
deutschen  Kaiser  gewählt.

Der  kühne  Geist  der  großen  Maria  Tcheresia  rettete  sie
aus  ihrer  gefahrvollen  Lage.  Die  von  ihr  zum  Beistande
aufgerufenen  Ungarn  drängten  sich  schützend  um  ihre  Königin,
  und  so  konnte  sie,  unterstützt  durch  großbrittannische
und  holländische  Subsidiengelder,  zwei  bedeutende  Armeen
stellen.  Der  ganze  Schauplat  erhielt  dadurch  eine  plotzliche
Veräunderung.  Die  eine  Armee,  von  dem  General  Khevenmüller
  angeführt,  reinigte  Oberbsterreich  wieder  von  den
Baiern,  während  die  andere,  unter  dem  General  Bärenklau,
in  Baiern  selbst  einfiel  und  in  kurzer  Zeit  sich  dieses  Landes
  bemächtigte.  Sachsen  nahm  an  Friedrich's  II.  Einfall
in  Mähren  zwar  einigen  Antheil,  jedoch  war  derselbe  sehr
gering,  und  im  Ganzen  blieb  es  dergestalt  bei  halben  Maßregeln
  stehen,  daß  seine  Truppen  ohne  allen  Antheil  an
den  Erfolgen  blieben.  Der  sächsische  Hof  wußte  dem  Konige
  von  Preußen  sogar  das  geforderte  Belagerungsgeschuͤtz
  vorzuenthalten,  welches  er  zu  der  beabsichtigten  Be-26



1742