408  Friedrich  August  II.

zurückziehen  und  Ersatz  für  die  erhobenen  Contributionen  und
Lieferungen  leisten  solle.  Dies  war  eine  Forderung,  die  mit
der  damaligen  Bedrängniß  der  sächsischen  Lage  im  seltsamen
Widerspruche  stand.  Obgleich,  wie  sich  von  selbst  verstand,
diesen  Bedingnissen  durchaus  nicht  geneigt,  wünschte  der
König  doch  diese  Unterhandlungen  weiterzuführen,  wie  wenig
auch  von  sächsischer  Seite  anfänglich  dafür  gethan  wurde.

Der  Fürst  von  Anhalt  hatte  seinen  Marsch  gegen  Meißen
nicht  mit  derjenigen  Geschwindigkeit  ausgeführt,  welche  im
Plane  des  Konigs  lag,  auch  wurde  sein  Nachtrab  in  einem
engen  Wege  vor  dem  Dorfe  Zehren  von  den  Sachsen,  unter
General  Sibilsky,  überfallen  und  zu  Verluste  gebracht.  Doch
bewerkstelligte  er  seine  Vereinigung  mit  Lehwald  in  Meißen,
und  rückte,  verstärkt,  gegen  Wilödruf  vor.  Der  Koͤnig  selbst
rückte  ihm  bis  Meißen  nach,  um  die  Schlacht  zu  decken.
Diese  fand  am  15.  December  bei  Kesselsdorf  statt.  Die
Sachsen  hatten  zum  Theil  in  dem  Dorfe  selbst  eine  sehr
gute  Stellung  eingenommen  und  schlugen  von  da  aus  die
Preußen  zweimal  mit  bedeutendem  Verlust  zurück.  Leider
verließen  sie  diese  Stellung  und  verdeckten  dadurch  ihr  eignes
Geschütz.  Sie  wurden  nunmehr  zurückgedrängt  und  das  Dorf
ging  verloren,  mit  ihm  ein  großer  Theil  der  Hoffnung  des
Sieges.  Dieser  Niederlage  des  linken  Flügels  folgte  auch  die
des  rechten  gegen  Bennersch.  Der  Verlust  der  Sachsen  an
Todten  und  Gefangenen  belief  sich  auf  10,000  Mann;  die
Uebriggebliebenen  slohen  gegen  Dresden  hin.  Dorthin  hatte
sich,  ohne  Antheil  an  der  Schlacht,  die  Armee  des  Prinzen
  von  Lothringen  gezogen;  doch  wagte  sie  unter  diesen
Umständen  nicht  mit  der  verstärkten  und  durch  den  Sieg  ermuthigten
  preußischen  Armee  sich  in  einen  Kampf  einzulassen,
sondern  zog  sich  nach  Böhmen  zurück;  die  Sachsen  folgten
ihr.  Nur  6000  Mann  sächsischer  Landmiliz  waren  in  Dresden
  geblieben,  und  diese  wurden,  als  am  dritten  Tage  Dresden
  auf  Capitulation  sich  ergab,  in  Masse  entwaffnet  und
unter  die  preußische  Armee  gesteckt.

Am  Tage  der  Kesselsdorfer  Schlacht  traf  den  Konig  auch
eine  Notiz  des  englischen  Gesandten  Villiers  (der  früher  am