416  Friedrich  August  II.

dem  Churfürsien  die  zu  einem  vorhabenden  Meichstage  ges
wünschten  Pässe  nach  Werschau  vorenthielt;  wie  denn  überhaupt
  nur  blinde  Vergdtterer  des  übrigens  großen  Friedrich
  II.  seinem  Benehmen  gegen  Sachsen,  welches  weder
Vorsicht  noch  Nothwendigkeit  in  diesem  Grade  bedingten,
ihren  Beifall  zollen  werden.

Um  Sachsen  von  jeder  österreichischen  Hilfe  abzuschneiden,
  ließ  Friedrich  durch  einen  Theil  seines  Heeres  unter
dem  Markgrafen  Carl,  das  sächsische  Lager  blokiren,  während
  er  selbst  nach  Aussig  ging,  wo  der  Feldmarschall  Keith
mit  einem  andern  Theile  der  Preussen  stand,  um  die  Oesterreicher
  unter  dem  General  Brown  zu  beobachten,  die  am
1.  October  1756  bei  Lowositz  von  ihm  geschlagen  wurden.
Dies  machte  die  Lage  der  Sachsen  noch  schwieriger.  Trotz
der  erlittenen  Niederlage  bot  Brown  dennoch  Alles  zur  Befreiung
  der  Sachsen  auf  und  röckte  daher  mit  8000  Mann
in  die  Gegend  von  Schandau.  Die  Sachsen  konnten,  wegen
  stürmischer  Witterung,  statt  am  11.  October,  erst  zwei
Tage  später  ihren  Uebergang  über  die  Elbe  bewerkstelligen,
durch  welche  Verzögerung  der  König  Jeit  zu  Verstärkungen
diesseits  der  Elbe  gewann.  Durch  widrige  Zufälle  hatte
Brown,  als  die  Sachsen  beim  Lilienstein  über  die  Elbe  gingen,
  keine  Nachricht  davon  erhalten  können;  auch  hatten
die  Sachsen  ihre  Bagage  und  ihr  Geschübzauf  der  andern
Seite  der  Elbe  zurücklassen  müssen,  welches  den  in  das  verlassene
  Lager  nachrückenden  Preussen  in  die  Hände  fiel.  So,
ohne  gegenseitige  Nachricht  von  einander,  konnten  sich  die
Oesterreicher  und  die  Sachsen  nicht  zusammenfinden;  die  Letzteren,
  ihres  unangreifbaren  Lagers  verlustig,  zogen  in  steilen,
  unwegsamen  Gründen,  welche  Regen  und  Unwetter
beinahe  vollig  ungangbar  gemacht  hatte,  ohne  Nahrung,
dem  Hunger  und  der  Kälte  preisgegeben,  umher;  ihre  Lage
war  verzweiflungsvoll.  Brühl  meinte  von  seinem  sichern
Komngstein  herunter,  wohin  er  und  der  Churfürst  mit  den
Prinzen  sich  gestüchtet:  sie  sollten  sich  zu  den  Oesterreichern
durchschlagen.  Dies  war  freilich  eine  Zumuthung  an  eine
von  Hunger,  Kälte  und  allen  erdenklichen  Strapazen  abgemat-