418  Friedrich  August  11.

mehr  die  früher  ihm  vorenthaltenen  Pässe  nach  Warschau.
Die  Sachsen  hatten,  ohngeachtet  ihres  Unglücks,  durch  ihren
  bewiesenen  muthigen  Widerstand  ,  den  nur  die  unglücklichsten
  Zufälle  zuletzt  endigten,  die  Preußen  in  ihrer  Nähe
beschäftigt  und  ihnen  dadurch  die  Gelegenheit  genommen,
das  noch  nicht  gehdrig  vorbereitete  österreichische  Heer  in
Böhmen  anzugreifen,  welches  dazumal  schwerlich  hätte
Stand  halten  können.  Die  Preußen  selbst  ehrten  die  Tapferkeit
  der  sächsischen  Soldaten  und  gaben  ihnen  das  Seugniß,
  daß  sie  durch  ihre  muthvolle  Ausdauer  in  der  widerwärtigen
  Lage,  die  deutschen  Provinzen  Maria  Theresla's
gerettet  hätten,  obschon  die  Oesterreicher  dies  wenig  anerkannten.


Sachsens  unverdientes  Mißgeschick  erregte  Theilnahme
und  die  bewiesene,  nicht  immer  edle  Härte  des  Konigs  von
Preußen  diente  nicht  eben  dazu,  seine  zahlreichen  Gegner  mit
ihm  auszusdönen.  Der  König  von  Frankreich,  Ludwig  XV.
wurde  durch  die  Dauphine  Maria  Josepha  um  Belstand
und  Rache  gegen  Preußen  beschworen,  und  was  ihren  Thráänen
  allein  vielleicht  nicht  gelungen  wärc,  vollendeten  die
Reize  der  Madame  Pompadour,  welche  der  Wiener  Hof
sich  gencigt  zu  machen  verstand.  Auch  die  Kaiserin  von  Rußland,
  Elisabeth,  welche  sich  persönlich  von  Friedrich  II.  beleidigt
  glaubte  und  daneben  sich  Rechnung  auf  eine  Eroberung
  von  ganz  Preußen  machte,  ging,  nachdem  sie  schon
im  December  1756  dem  Vertrage  von  Versailles  beigetreten

1757  war,  am  22.  Januar  1757  eine  noch  engere  Verbindung
mit  Maria  Theresia  ein.  Nicht  minder  trat  Schweden,  obgleich
  gegen  die  Meinung  des  Königs,  auf  Frankreichs  Zureden
  dem  Bunde  gegen  den  König  von  Preußen  bei,  dessen
Einfall  in  Sachsen  und  Böhmen,  man  auf  dem  deutschen
Reichstage  als  einen  Landfriedensbruch  bezeichnete  und  ihn,
mit  Bestimmung  der  Stände,  durch  einen  Reichserecutionskrieg
  zu  strafen  beschloß.  Friedrich's  Härte  gegen  Sachsen
mißbilligte  selbst  sein  Bundesgenosse,  der  König  von  Großbritannien,
  der  sich  öbrigens  noch  enger  mit  ihm  verband.