Friedrich  August  II.  419

Bei  Annaͤherung  des  Fruͤhjaͤhres  ging  Friedrich  —  nachdem
  er  im  Winter  1756  —  1757  noch  alle  Kraͤfte  des  schwererschoͤpften
  Sachsens  begierig  aufgezehrt,  Lieferungen  und  Contributionen
  vermehrt,  die  Besoldungen  der  churfuͤrstlichen  Diener
  zuruͤckgehalten  oder  gar  eingezogen  und  allenthalben  Recruten
  ausgehoben  hatte  —  nach  Böhmen,  um  dem  Auftreten
  der,  Oesterreich  verbuͤndeten  Maͤchte  zuvorzukommen,
und  gewann  (6.  Mai)  das  entscheidende  Treffen  bei  Prag.
Dagegen  mußte  er  am  18.  Juni  die  furchtbare  Niederlage
bei  Collin  erleiden.  Den  Sieg  uͤber  ihn  veranlaßten  einige
sächsische  Cavallerie  -Regimenter,  die,  als  die  Oesterreicher
wankten  und  die  Preußen  schon  die  Sieger  zu  seyn  glaubten,
  unter  dem  sächsischen  Dragonerobersten  Benkendorf  sich
mit  unerhörter  Wuth  auf  die  Preußen  warfen,  furchtbar  auf
sie  einhieben  und  so  den  entrissenen  Sieg  wiedergewannen.
Die  Sachsen  wollten  sich  rächen  und  ihr  beleidigtes  Vaterlandsgefühl
  machte  sich  in  dieser  Schlacht  blutig  Luft.  Unter
dem  Kriegsgeschrei:  „dies  für  Striegau!“  hieben  sie  Friedrich's
  herrliche  Leibgarde  nieder;  die  Schmach  des  unglücklichen
  Vaterlandes  ward  in  dieser  Schlacht  tapfer  abgesöhnt!
Die  Folge  war,  daß  Friedrich  die  Belagerung  von  Prag
wieder  aufheben  mußte  und  sich  nach  Sachsen  zurückwendete;
  sein  altester  Bruder  August  Wilhelm  ging  nach  der
Lausitz.  Die  Oesterreicher  folgten  ihm  unter  dem  Herzog
von  Lothringen  und  dem  General  Daun,  und  da  es  ihnen
gelang,  sich  in  Gewalt  des  wichtigen  Passes  Gabel  zu
setzen,  so  langten  sie  noch  vor  der  preussischen  Armee  bei
Zittau  an.  Die  unglückliche  Stadt  wurde  von  den  Oesterreichern
  —  den  Bundesgenossen  der  Sachsen!  —  in  Brand
geschossen,  so  daß  nur  60  Huser  stehen  blieben  und  mehr
als  400  Bürger  dabei  umkamen.  Dennoch  schlugen  sich  die
Preußen  durch;  nur  ein  kleiner  Theil  derselben  ward  gefangen.


Nunmehr  sammelte  sich  in  der  Gegend  von  Nürnberg
auch  die  zur  Befreiung  von  Sachsen  bestimmte  Reichsexecutionsarmee;
  wie  immer  auf  das  Bunteste  *t

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