420  Friedrich  Augußt  II.

und  ohne  allen  innern  Zusammenhalt.  Das  Commando
über  dieses  militairische  Quodlibet  war  dem  Prinzen  Joseph
von  Hildburghausen  anvertraut,  zu  welchem  —  befehligt
durch  den  Prinzen  Soubise,  einen  Schützling  der  Madame
Pompadour  —  eine  franzosische  Armee  zu  Erfurt  stieß.  Der
Koͤnig  zog  ihnen  nach  Thüringen  entgegen;  aber  diese  hielten
  es  nicht  für  gerathen,  seine  vollige  Nähe  erst  abzuwarten,
  sondern  zogen  sich  ohne  Weiteres  nach  Gotha  und  Eisenach
  zurück.  Ein  französisches  Corps,  welches  Gotha  besetzt
  hatte,  lief  hastig  vor  der  preussischen  Reiterei  davon  und
ließ  derselben  eine  große  Eroberung  von  Parfümersen,  Pomaden,
  Schlafröcken,  Pudermänteln  und  Regenschirmen  zurück.
  Die  vielfarbige  Reichsarmee  hielt  sich  noch  schlechter,
als  die  Franzosen.  Thüringen  war  besonders  froh,  von  den
Letzteren  gereinigt  zu  seyn,  die  überall,  wo  es  keinen  Feind
gab,  sich  gegen  die  armen,  wehrlosen  Einwohner  sehr  kriegerisch
  zeigten  und  durch  üble  Wirthschaft  das  nachbrachten,
was  sie  auf  dem  Schlachtfelde  gern  versäumten.  —  Nicht
so  leicht  ward  es  den  Preußen  in  der  Oberlausitz  gemacht;
vielmehr  ward  das  Corps  des  preussischen  General  Winterfeld,
  bei  Görlitz  durch  den  österreichischen  General  Nadasdi
geschlagen,  Winterfeld  selbst  —  den  Friedrich  II.  besonders
begünstigte  —  getödtet,  und  der  Prinz  von  Bevern  dadurch
gendthigt,  mit  der  von  ihm  befehligten  preussischen  Hauptarmee
  sich  bis  nach  Liegnitz  zurückzuziehen,  worauf  die  Oberlausitz
  in  die  Hände  der  Oesterreicher  kam.  Daun  folgte
dem  Prinzen  von  Bevern  nach  Schlesien,  und  dieser,  bei
Breslau  verschanzt,  befand  sich  in  einer  unangenehmen  Lage,
da  der  König  doch  von  der  feanzösischen  und  Reichsarmee
zu  sehr  beschäftigt  ward,  als  daß  er  ihm  zu  Hilfe  hätte  eilen
  konnen.  Die  Gegend  von  Leipzig  hatte  durch  die  Franzosen,
  welche  —  als  der  Koͤnig  seine  Stellung  bei  Erfurt
aufgab  —  bis  dahin  vorgedrungen  waren,  unendliche  Drangsale
  zu  bestehen,  indem  diese,  obgleich  Sachsens  Bundesgenossen,
  ärger,  als  in  Feindesland,  hauf  ten,  die  sämmtlichen
  Dörfer  in  der  Gegend  total  plünderten  und  nicht  ein-