Friedrich  August  II.  421

mal  die  Kirchen  verschonten.  Zwar  eilte  ihnen  der  Koͤnig
uͤber  Leipzig  bis  Weißenfels  entgegen  und  nahm  hier  ein
ganzes  franzoͤsisches  Corps  gefangen,  doch  wurde  er  an  der
Saale,  deren  Bruͤcken  die  Franzosen  abgebrochen  hatten,  so
lange  aufgehalten,  bis  der  General  Keith  bei  Halle  den
Fluß  uͤberschritten  und  Soubise  sich  von  dem  anderen  Ufer
weggezogen  hatte.  Bei  Roßbach  hatten  die  Franzosen  und
Reichstruppen,  zusammen  60  —70,000  Mann  stark,  auf
einer  Anhöhe  eine  so  günstige  Stellung  eingenommen,  daß
die  nur  22,000  Mann  starken  Preußen  sie  nicht  fuͤglich  angreifen
  konnten.  Unklugerweise  gingen  Jene  aus  dieser
Stellung  heraus  und  erlitten  sofort  (5.  Novbr.  1757)  eine
vollständige  Niederlage.  Die  Reichstruppen  waren  sogleich
bei  den  ersten  Kanonenschüssen  entlaufen  und  kamen  erst  in
Franken  wieder  zu  sich.  Die  Befreiung  Sachsens  war  durch
diesen  Schlag  vereitelt  und  diese  fehlgeschlagene  Hoffnung
wirkte  auf  die  schon  vorher  geschwächte  Gesundheit  der  Churfürstin
  so  heftig,  daß  man  sie  eilf  Tage  später  (17.  Novbr.)
todt  im  Bette  fand.

In  Schlesien  waren  die  Oesterreicher  bisher  glücklicher
gewesen;  am  22.  Novbr.  war  sogar  Breslau  in  ihre  Hände
gefallen.  Friedrich  brach  daher,  gleich  nach  der  Schlacht
von  Roßbach,  eiligst  nach  Schlesien  auf,  und  durch  den
glänzenden  Sieg  bei  Leuthen  hatte  er,  bis  auf  Schweidnit,
diese  ganze  Provinz  wieder  erobert.  Sachsen  blieb  nur  noch
von  einem  kleinen  preussischen  Corps  unter  dem  Prinzen
Heinrich  besetzt.  Erst  um  die  Mitte  des  folgenden  Jahres  bemühte
sich  Daun  abermals,  Sachsen  von  den  Preußen  zu  reinigen.
Er  wollte  hierzu  die  Abwesenheit  des  Königs  benutzen,  der
den  Russen  entgegen  gezogen  war.  Daun's  Behutsamkeit
verbot  ihm  jedoch  auch  diesmal,  schnell  vorzudringen.  Während
  Friedrich  (25.  August)  die  Russen  bei  Zorndorf  schlug,
stand  Jener  bei  Görlitz,  brach  dann  nach  Sachsen  auf  und
lagerte  sich  bei  Stolpen.  Mit  ihm  vereinigte  sich  die  Reichsarmee,
  unter  ihrem  neuen  Führer,  dem  Prinzen  Heinrich
von  Zweibrücken,  welchem  es  gelang,  den  Sonnenstein  zu

1753